Rialto-Kino: Das Programm für Mai steht

Noch ist die Leinwand des Rialto-Kinos leer - das soll sich bald ändern

Der große Tag der Premiere rückt näher: Nur noch gut zwei Wochen, dann soll sich der Vorhang im alten Lichtspielhaus Rialto am Vogelhüttendeich wieder öffnen. Was dort zu sehen sein wird, haben die Macher des Projekts nun bekannt gegeben: Vom ersten Maiwochenende an bietet das Rialto nicht nur Filme, sondern auch Musik, Literatur und Theater. Kultur von der Elbinsel für die Elbinsel – das ist der Anspruch für die 180 Tage dauernde Spielzeit.

 Mit Pauken und Trompeten soll es losgehen: Begleitet vom Spielmannszug des SV Wilhelmsburg soll ein feierlicher Umzug am Freitag, 3. Mai, vom Stübenplatz in den Vogelhüttendeich ziehen, wo das Rialto im Schein der alten Leuchtschrift seine Türen öffnet – zum ersten Mal seit rund 26 Jahren. Entsprechend nostalgisch beginnt das Kinoprogramm um 19:30 Uhr mit dem Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ aus dem Jahr 1920. Der Geiger Christoph Drave spielt live Musik dazu. Nach dem Film steigt die Premierenfeier mit der Klezmerband „20vor8“. Der Kartenverkauf hat schon begonnen.

Filme, Konzerte, Lesungen und Theaterstücke mit Wilhelmsburger Lokalkolorit haben die Projektmacher der Rialto-Lichtspiele ins Programm geschrieben. „Es ist uns wichtig, das Kino für die Umgebung zu machen“, sagt die Veranstaltungsmanagerin Eva Steindorf. Viele der Musiker und Literaten, die im Rialto auftreten, stammten zum Beispiel von der Elbinsel. Mit der Reihe „Heimspiel“ wollen die Veranstalter den vielen Nationen und Kulturen auf der Elbinsel gerecht werden. Bei den Themenabenden steht immer ein bestimmtes Land im Mittelpunkt. Als erstes ist die Türkei an der Reihe: Am Sonntag, 5. Mai, zeigt das Rialto die Filme „Rotkohl und Blaukraut“ (17:30 Uhr) und „Almanya“ (20 Uhr). Zwischen den Filmen gibt es Musik von Derya Yildirim. Zum „Heimspiel: Russland“ am Sonntag, 19. Mai, stehen die Filme „Die Dame mit dem Hündchen“ (20 Uhr) und „Kin-dza-dza“ (22 Uhr) auf dem Programm. Auch zu Rumänien, Bulgarien und Polen sind „Heimspiele“ geplant.

„Es fehlt noch an Blockbustern, aber das wird sich in Juni ändern“, sagt Eva Steindorf. Sobald die Verträge mit den einzelnen Filmverleih-Firmen abgeschlossen sind, sollen auch neue große Kinofilme im Rialto-Kino laufen. Das Programm sollen die Zuschauer selbst mitbestimmen können: Bald werde auf der Internetseite der Rialto-Lichtspiele eine Plattform starten, auf der alle Interessierten Vorschläge machen und abstimmen können, kündigt die Veranstaltungsmanagerin an. Wer direkt mit den Machern sprechen möchte, könne gerne im Kino am Vogelhüttendeich oder im Büro gegenüber vorbeischauen. Auch wer selbst etwas auf die Bühne bringen möchte, ist willkommen, sagt Eva Steindorf.

"Insulanerticket" für Publikum aus Wilhelmsburg

Der Eintritt ist für Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger immer ermäßigt – für sie haben sich die Macher das „Insulanerticket“ ausgedacht. Auch Schüler, Studenten, Rentner und Erwerbslose kommen ermäßigt rein. Kinder zahlen pro zehn Zentimeter Körpergröße 10 Cent. „Wir versuchen immer, die Preise möglichst gering zu halten“, sagt Eva Steindorf. Kinokarten kosten in der Regel 8 Euro, mit Ermäßigung 5 Euro. Kurzfilme kosten weniger, Theaterstücke mehr. Pro Veranstaltung sind 100 Karten für Menschen von der Elbinsel reserviert, die nach Postleitzahl im Pass oder Personalausweis vergeben werden sollen.

Die Neueröffnung am 3. Mai ist auch eine Geburtstagsfeier: Vor 100 Jahren wurde das Rialto-Kino am Vogelhüttendeich gebaut. Bis 1936 liefen dort Stummfilme, später waren dort auch Filme mit Ton zu sehen. Im Jahr 1987 stellte das Kino den Betrieb ein, seitdem blieb der Vorhang geschlossen. Nun haben die Macher des Projekts Rialto-Lichtspiele das Kino wieder hergerichtet – unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren. Im Sommer 2013, in dem auch die Internationalen Bauaustellung (IBA) und die internationale gartenschau (igs) ihr Präsentationsjahr feiern, soll der Kulturbetrieb 180 Tage lang wieder laufen. Am 31. Oktober schließt sich dann der Vorhang zum vorerst letzten Mal. Dann erlöschen die Genehmigungen der Behörden.

Das Programm der Rialto Lichtspiele steht auf der Internetseite http://rialto-lichtspiele.de/kalender . Tickets können direkt dort oder im Büro gegenüber dem Kino bestellt werden.

von Annabel Trautwein

 

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5 Kommentare zu Rialto-Kino: Das Programm für Mai steht

  • Künstlerin  sagt:

    Und nach 180 Tagen ist die IBA vorbei, das Haus wird abgerissen und das „kulturell aufgewertete“ Grundstück vermutlich nicht mit Sozialwohnungen bebaut. Aber nein, hier geht es nicht um den Profit- und Profilierungswahn eines reichen Mannes, hier geht es natürlich nur um „Umgebung“. Schließlich lässt sich erst in einer aufpolierten Umgebung ordentlich Geld verdienen.

    Das zeigt sich auch besonders schön daran, dass gerade das Bezirksamt Mitte in den letzten Jahren interessierten Anwohner_innen immer wieder deutlich gemacht hat, dass das Gebäude wegen Baufälligkeit nicht zu nutzen sei und „unter keinen Umständen“ eine Sondernutzungserlaubnis erteilt werden könne. Aber „IBA bedeutet Ausnahmezustand“ und wie bei der Soulkitchen-Halle ist dann auch hier für die perfekte Vermarktung des Stadtteils die sonst so übertrieben akribisch arbeitende deutsche Bürokratie nur hinderlich.

    Und nach 2013 zieht die (Kunst-)Karawane weiter, was bleibt sind hohe Mieten und betonierte Plätze…achja, und ein paar tausend Menschen weniger, die dem „schlechten“ (->Handelskammer HH) Teil der Bevölkerungsstruktur entsprachen.

  • Cass  sagt:

    Der Wiederaufbau des Rialto-Kinos ist eben kein gewinnorientiertes Projekt! Das Kino wird nur für den Sommer aufgebaut, die Renovierungsarbeiten finanzieren sich komplett aus Spenden und es sollen keine Gewinne erwirtschaftet werden. Am Ende übriges Geld wird gespendet. BewohnerInnen des Viertels kommen vergünstigt zu den Veranstaltungen und speziell die Ticketkosten für Filme sollen insgesamt niedrig gehalten werden, damit eben die AnwohnerInnen, die Menschen davon profitieren. Soviel dazu.

    Das Projekt hat jetzt von der Stadt eine Genehmigung zur Nutzung des Gebäudes bekommen, weil eben bestimmte Dinge neu gemacht werden und das Gebäude somit wieder sicher betreten werden kann. Es wird nur für den Sommer betrieben, da eine Renovierung für den Winter nicht bezahlbar ist (Heizung etc.), das hat mit der IBA nichts zu tun.

    Außerdem, was ist so schlimm daran, wenn im Viertel ein Kulturort geschaffen wird, der sich auch noch speziell an die BewohnerInnen des Viertels richtet und bei dem Mitbestimmung was das Programm angeht erwünscht ist? Klar macht das das Viertel attraktiver und somit interessant für Spekulaten, aber die Menschen haben unmittelbar einen Vorteil von so einem Projekt.

    Wie schon erwähnt wurde, waren und sind die Menschen daran interessiert, dass so ein Gebäude nicht leer steht und langsam vergammelt. Jetzt wird etwas dagegen getan und das ist meiner Meinung nach unterstützenswert. Das einzige Geld das investiert wurde, war der Kauf des Gebäudes und ja, dafür brauchte es einen reichen Mann. Da das Gebäude allerdings höchstwahrscheinlich nicht langfristig genutzt werden kann, war der Kauf ja keine „Investition“ in dem Sinne. Viele AnwohnerInnen haben freiwillig ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt und mit angepackt, damit aus dem Projekt etwas wird und dieses geschichtsträchtige Gebäude nicht weiter sich selbst überlassen wird. Allein so ein Engagement zeigt doch, dass es Meneschen aus dem Viertel gibt, die, genauso wie der Besitzer, so eine Verfall nicht ertragen können und dem Viertel einen kultuellen Ort bieten wollen.

    Ich würde jeder dem Projekt gegenüber skeptischen/kritischen Person vorschlagen, sich das Ganze gerne einmal selber anzuschauen (die Renovierungsarbeiten laufen und man kann immer einen Blick ins Kino werfen oder bald die Veranstaltungen besuchen) und zu erleben, wie viel Leidenschaft in dem Projekt steckt.

  • Jens  sagt:

    Stimmt, ein Gebäude zu kaufen, was in nächster Zeit abgerissen wird, hat selbstverständlich nichts mit Investition zu tun… Selten so einen Blödsinn gehört. Dass das Kinoprojekt für den reichen Mann auch noch völlig kostenneutral abzulaufen scheint, spricht für sich.

    Vielen Dank an die Künstlerin für ihren zu recht sehr kritischen Beitrag zu diesem Projekt.

  • Chris  sagt:

    Dass manche Kommentarschreiber hier pauschal alles kritisieren und Scheiße finden müssen, ist echt traurig. Der Typ investiert Zeit, Arbeit und Geld, um ein Kulturprojekt für uns von der Elbinsel auf die Beine zu stellen (und verzichtet darauf, mit anderen Dingen deutlich mehr Geld zu verdienen!) und das Einzige, was zwei Leuten hier einfällt, ist dieses Engagement auch noch – ziemlich plump und mit nichts als stupiden Vorurteilen – zu kritisieren.
    Mann kann ja gegen die Schicki-Micki-Geld-Verschwendungs-Veranstaltungen IBA und IGS solche Kritik äußern – aber doch nich gegen das Rialto?!?
    Danke an Cass, dass das zumindest teilweise richtig gestellt wurde.

  • BQ  sagt:

    Liebe Kunstlerin & Co,

    Sie haben voellig recht.
    Das Monate lange Dreck schaufeln bei guter Luft ist hochgradig verdaechtig.

    :)))

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