Jugendliche servieren Drei-Gänge-Menü unter freiem Himmel

Drei-Gänge-Menü unter fast freiem Himmel - der Einsatz der Jungen und Mädchen von der Stadtteilschule Wilhelmsburg machte es möglich

Etwa 100 Blätterteigpasteten vor Augen, ebenso viele hungrige Gäste im Rücken – Enes kneift die Lippen zusammen und arbeitet so schnell er kann. Sein Job ist es, den Hauptgang zu vollenden. Und zwar im Freien auf dem Berta-Kröger-Platz, bei böigem Wind und drohendem Regen. Der Fisch kühlt ab, sein Mitschüler Mohammed rückt ihm schon auf die Pelle mit der Soßenkanne. Jetzt bloß nicht ablenken lassen. Jeder Teller muss gleich aussehen, gleiche Salatgarnitur, gleiche Menge Fisch, die gleiche scheinbar verlaufene Soßenspur. Chefkoch Jörg Anmelung prüft jedes Detail und verteilt Tipps in Befehlsform. „Ja, so läuft das in einer Großküche“, ruft er.

Rund 100 Gäste aus ganz Wilhelmsburg treffen am Mittwochnachmittag auf dem Berta-Kröger-Platz ein zum maritimen Dinner unter dem Motto „Die Insel isst ein' Fisch“. Gastgeber sind Schülerinnen und Schüler aus Jahrgangsstufe 9 an der Stadtteilschule Wilhelmsburg und das Forum Bildung Wilhelmsburg, das damit zwei Ziele verfolgt: Zum einen sollen die Jugendlichen zeigen können, was sie als Koch, Dekorateurin, Security oder Kellnerin drauf haben. Zum anderen gehe es darum, „den Platz mal ein bisschen mit Leben zu füllen“, erläutert Wilhelm Kelber-Bretz, Geschäftsführer des Bildungsforums.

Aus dieser Idee entsteht eine festliche Tafel mit Drei-Gänge-Menü für alle, die dabei sein wollen – dank des Einsatzes von zwei Schulklassen, dem Team des Restaurants Kochburg im Bürgerhaus und dem Haus der Jugend in Rothenburgsort sowie Sponsoren aus Wirtschaft und Politik auf der Insel. Das Ergebnis macht was her: Inmitten von Wohnhäusern, Einkaufszentrum, Bahnhof und Baustelle nehmen die Schülerinnen vom Serviceteam die Gäste mit einem Aperitif in Empfang. Sogar Live-Musik gibt es: Geigerin Anna-Lena Bester und Gitarrist und Sänger Arne Theophil spielen maritime Hits und Gassenhauer aus alten Zeiten.

Wochenlange Teamarbeit

Was die Gäste als gemütliches kleines Stadtteilfest feiern, war für die Jugendlichen viel Arbeit. Die sieben Meter langen Tischdecken etwa wurden eigens für das Festessen entworfen und gebastelt – schon drei Wochen zuvor hätten sie dafür an der Schule Stoff gesammelt, erzählt die Stadtteilschülerin Vanesa. Kunst sei ihr Lieblingsfach, deshalb habe sie sich der Dekorationsgruppe angeschlossen. Zusammen mit ihrer Freundin Sarah macht sie auch beim Serviceteam mit. Sarah erklärt, worauf es dabei ankommt: „Immer aufpassen: Wer hat schon ein Getränk? Wer möchte noch eins? Und vor allem freundlich sein.“ Zum Auf- und Abbau sind vor allem Jungs gefragt, die anpacken können – einer wie Adonis zum Beispiel. „Die sagten, wir brauchen starke Leute“, sagt der Neuntklässler. Klar, dass er sich da nicht zweimal bitten lässt.

Nur das Team der Streitschlichter und Sanitäter bleibt unterbeschäftigt. Offenbar angelockt von den „Antipasti Ahoi“ machen sich die Jungs mit den gelben Westen auf zur Zeltküche. Dort hat der Stresspegel die Höchstmarke erreicht. „Wir müssen uns beeilen, die Musiker fragen schon, wann es wieder was gibt“, ruft jemand. Enes und Mohammed schaufeln Fisch und gießen Soße im Akkord, der Wind nimmt zu, die Wolken verfinstern sich – dann klatscht der Regen auf den Berta-Kröger-Platz. Das Rettungsteam rennt los und baut den Empfangstisch ab, die Schülerinnen vom Serviceteam verteilen Regencapes. Geschützt unter Zeltdächern genießen ihre Gäste den Hauptgang, und ja, auch der Nachtisch „Erdbeerwelle“ ist noch drin, Regen hin oder her. „Wilhelmsburg isst halt ein' Fisch“, sagt Arne Theophil. „Und ein Fisch lebt im Wasser.“

von Annabel Trautwein

 

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ein Kommentar zu Jugendliche servieren Drei-Gänge-Menü unter freiem Himmel

  • Wilhelm Kelber-Bretz  sagt:

    Liebe Annabel Trautwein,

    besten Dank für den schnelle und wirklichkeitsnahe Momentaufnahme!

    Beste Grüße und Dank

    Wilhelm Kelber-Bretz

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