Kinderzeitung: Unterwegs mit den Lüttville-Reportern

Alles wird genau festgehalten - die Lüttville-Reporter Ross und Colin bei der Arbeit

Zeitungsreporter sein auf dem Lüttville-Festival – das ist gar nicht so einfach. „Ein Interview wollt ihr mit uns machen? Hmm, jetzt ist es gerade schlecht…“, sagt die Leiterin der Fotoexperimente, als Ross und Colin mit ihren Schreibsachen anrücken. Alle Kinder im Fotokurs sind beschäftigt: Sie füllen Entwicklerflüssigkeit ab, schreiben ihre Namen auf Gummihandschuhe oder hängen ihre Kunstwerke auf. Beim nächsten Kurs haben Colin und Ross auch nicht mehr Glück. „Ach, die Zeitungsleute wieder“, sagt zwar einer der Erwachsenen – aber für Interviews hat auch hier keiner Zeit. Am Tag vorher war das einfacher, erzählt Ross. Da waren die beiden Brüder beim Zirkus und konnten Fotos machen und beschreiben, wie die Akrobaten geübt haben.

Ross (11) und Colin (9) sind als Reporter der Lüttville-Zeitung unterwegs. Sie arbeiten im Team mit Jennifer (11), Domenik (10), Huanita (11), Kim (19) und Caro (22) an einer eigenen Zeitung für das Festival. Eine Woche lang sammeln sie Infos über alles, was auf dem Lüttville-Gelände am Reiherstieg passiert. Sie stellen den Kindern und Erwachsenen Fragen, schießen Fotos und schreiben auf, was in den verschiedenen Kursen vor sich geht. In der Lüttville-Zeitung soll es auch um Wilhelmsburg gehen – zum Beispiel um den Müll auf dem Spielplatz, der die Reporter so oft nervt. Außerdem soll ein großes Interview mit der Lüttville-Organisatorin Laura gedruckt werden. Sie soll zum Beispiel mal erklären, wieso der Treffpunkt an der Bar „Nest“ heißt und woher der Name „Butterland“ für die Küche stammt.

Wie viel Kilo wiegt der Hammer?

Ross und Colin finden die Story des Tages bei den Klangstrolchen: Rund um ihr Zelt sind schon bunte selbstgebastelte Instrumente zu sehen. „Wir sind von der Zeitung“, sagt Colin und zeigt seinen Lüttville-Presseausweis. „Dürfen wir hier mitmachen und ein paar Interviews führen?“ Kursleiter Niko ist einverstanden und Colin macht sich gleich ans Werk. Die Jungs und Mädchen bauen gerade Regenmacher: Sie schlagen Nägel in Papprollen, füllen Reis hinein und kleben die Rollen zu. Wie Regen rauscht der Reis dann an den Nagelspitzen vorbei, wenn sie die Rolle kippen. Während sein jüngerer Bruder die ersten Nägel einschlägt, sammelt Ross Fakten. „Wie schwer ist der Hammer?“, fragt er. „Ganz schön schwer“, meint Niko. Aber als Journalist will Ross es genau wissen: „Wie viel Kilo?“ Da muss Niko passen. Ross hat ohnehin schon wieder etwas anderes zu tun: fotografieren – dafür hat er einen guten Blick.

Jeden Tag kommt die Redaktion der Lüttville-Zeitung in ihrem Besprechungsraum zusammen. Die Wände hängen voller Pläne: Welche Artikel sollen in der Zeitung erscheinen? Wie könnte die Titelseite aussehen? All das haben die Reporter schon geplant. Am Mittwoch starten sie mit einem Kennenlern-Spiel, denn Huanita ist neu dabei: „Ich wollte schon gestern kommen“, sagt sie. Doch dann hat sie den Bus verpasst, der die Kinder morgens abholt und zum Lüttville-Gelände fährt. Ross muss auch noch was regeln: Sein Presseausweis ist eingerissen. Den braucht er, denn nur Reporter mit Ausweis dürfen in den anderen Kursen mitmachen und Interviews führen. Caro und Kim haben ihnen auch ein Aufnahmegerät gegeben, damit sie die Fragen und Antworten nicht aufs Papier kritzeln müssen und mehr auf das Gespräch achten können. „Was ist beim Interview wichtig?“, hakt Caro nach, bevor die Jungs aufbrechen. „Immer lächeln“, ruft Colin – und schon sind die rasenden Reporter verschwunden.

Die Zeitung muss rechtzeitig fertig werden

In der Redaktion muss es schnell gehen. Zwölf Seiten sollen voll werden mit Texten und Bildern über das Festival – ob es klappt, wird sich zeigen, sagen die Kursleiterinnen Kim und Caro. Am Samstag wollen die Reporter alles sammeln, was sie geschrieben haben, und die Hefte zusammen tackern. Bei der Abschluss-Präsentation um 15 Uhr werden alle zeigen, was sie in der Woche auf dem Lüttville geschafft haben. Die Lüttville-Zeitung muss auf jeden Fall rechtzeitig fertig sein, damit die Kinder und ihre Gäste am Samstag ihre eigene Ausgabe mitnehmen können. Dann können sie noch Wochen später nachlesen, was alles auf dem Lüttville passiert ist. Außerdem steigern die Berichte die Vorfreude aufs kommende Festival. Ross ist sich schon sicher: „Nächstes Jahr werde ich auch wieder mitmachen.“

von Annabel Trautwein

 

Info: Was ist das Lüttville?

Auf dem Lüttville-Festival stellen Kinder alles mögliche auf die Beine: Sie drehen Filme, bauen Schrottautos zu Kunst um, lernen die Tanz-Kampfsportart Capoiera und akrobatische Kunststücke, bauen Instrumente, spielen Theater oder schreiben ihre eigene Zeitung. Etwa 150 Kinder aus Wilhelmsburg, Billstedt und Harburg machen mit. Am Samstag, 27. Juli, steigt ab 15 Uhr ein Fest. Alle sind eingeladen, auf dem Gelände am Reiherstieg vorbei zu kommen und sich anzusehen, was die Kinder auf dem Lüttville geschafft haben.

Mehr erfahrt ihr im Internet unter www.luettville.de

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