Kinderzeitung: Ärger um Fernsehfilm in Wilhelmsburger Schulklasse

Schulleiter Kay Stöck (mitte) ist nicht der Meinung, dass der Film Schülerinnen und Schülern der Stadtteilschule Stübenhofer Weg geschadet hat.

Die Kinder einer Klasse an der Stadtteilschule Stübenhofer Weg sind ins Fernsehen gekommen – jetzt gibt es deswegen Ärger. Denn die Schulbehörde der Stadt Hamburg sagt, dass die Fernseh-Reporter ihren Film so gar nicht hätten drehen dürfen. Den Stress bekommt der Schulleiter Kay Stöck ab. Die Behörde meint, dass er verantwortlich ist, wenn einzelne Kinder aus Wilhelmsburg in dem Film schlecht rüber kommen. Kay Stöck findet aber nicht, dass der Film jemandem schadet – im Gegenteil. Er sagt, dass er der Schule gut getan hat. Nun soll geklärt werden, ob der Schulleiter wirklich etwas falsch gemacht hat.

Wie stressig ist es, Lehrerin zu sein? Das wollte die Fernseh-Reporterin Anja Reschke selbst ausprobieren. Vier Wochen lang versuchte sie gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern der Stadtteilschule Stübenhofer Weg, eine Klasse zu unterrichten. Ein Kamerateam folgte ihr ins Klassenzimmer. Was die Kameras dabei aufnahmen, sieht im Fernsehen manchmal ziemlich chaotisch aus: Schüler hauen sich im Unterricht ihre Hefte um die Ohren, spielen mit ihrem Handy, kommen 10 Minuten zu spät aus der Pause zurück oder fliegen raus. Die Lehrerinnen und Lehrer in dem Film haben oft Probleme, normalen Unterricht zu machen. Viele sagen, dass sie ihren Job extrem anstrengend finden. Auch mit den Eltern gibt es oft Probleme, wie die Lehrer vor der Kamera erzählen. Manche Väter und Mütter arbeiten nicht richtig mit, heißt es in dem Film. Sie sind zum Beispiel nicht zu erreichen, wenn Lehrer mit ihnen über ihre Kinder reden wollen.

Schulleiter: Die meisten Lehrer werden nicht gut genug vorbereitet

Der Film zeigt aber auch gute Momente, zum Beispiel wenn Schüler sich gegenseitig bei ihren Aufgaben helfen. In der gezeigten Klasse am Stübenhofer Weg sitzen 22 Kinder. Sechs davon haben einen Förderbedarf. Sie brauchen besondere Hilfe – doch die Lehrer kommen oft nicht dazu, sich ausreichend um sie zu kümmern. Das sagt auch der Schulleiter Kay Stöck in dem Film. Er sagt, dass die meisten Lehrerinnen und Lehrer nicht gut genug vorbereitet werden auf das, was sie in der Schule neben Unterricht tatsächlich erwartet. „Da stimmt auch was im System nicht“, meint er. Er findet, dass neben Eltern, Lehrern und Schülern auch Politik und Behörden sich mit der Lage in der Schule beschäftigen und gemeinsam Verantwortung übernehmen müssen.

Der oberste Politiker für Schulen in Hamburg ist Schulsenator Ties Rabe. Er ist der Chef der Schulbehörde. Die hat jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen Kay Stöck gestartet. Dabei soll geklärt werden, ob der Leiter der Stadtteilschule seine Pflichten ernst genug genommen hat oder ob er gegen Verbote verstoßen hat. Ein Sprecher der Schulbehörde sagt, dass sich Menschen aus Wilhelmsburg beschwert haben. Nachdem der Film zum ersten Mal im Fernsehen lief, hat eine Person dem Schulleiter vorgeworfen, dass er nicht genug auf seine Schülerinnen und Schüler achtgegeben hat. Außerdem haben sich offenbar mehrere Kinder der Klasse mit ihren Eltern direkt bei der Behörde beschwert. Die meisten Kinder sind in dem Film nämlich eindeutig zu erkennen. Nur bei einem Jungen ist das Gesicht verschwommen dargestellt. Die übrigen – oder die, deren Namen genannt oder deren Häuser gezeigt werden – könnten jetzt auch außerhalb der Schule mit dem Film in Verbindung gebracht werden. Offenbar befürchten einige, dass die Kinder dadurch einen miesen Ruf bekommen. Die Schulbehörde sagt, dass sie diese Vorwürfe prüfen muss. Sie sagt auch, dass die Dreharbeiten so, wie sie gelaufen sind, verboten waren. Die Reporterin Anja Reschke hätte nicht mit unterrichten dürfen, weil sie dazu nicht ausgebildet ist. Das war von Anfang an klar, sagt der Behördensprecher.

Schüler, Lehrer, Eltern und Berater diskutieren gemeinsam

Schulleiter Kay Stöck sagt, dass sich nach Ausstrahlung der Sendung bei ihm oder in der Schule niemand beschwert hat. „Die Kinder waren nach der Erstausstrahlung schon betroffen, das ist doch klar“, sagt er. Dann aber hätten sich Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer und Berater zusammengesetzt und miteinander geredet. Das war eine spannende Diskussion über Verantwortung, Respekt und Verhalten, sagt der Schulleiter. Die Runde wollte klären, wieso Kinder in der Schule manchmal so unruhig sind und was ihnen Probleme bereitet. „Und das hat ja auch etwas mit Schule zu tun“, sagt Kay Stöck. Er ist überzeugt, dass es Probleme wie die, die der Film in der Klasse zeigt, überall in Deutschland gibt. Das bestätigen die vielen Rückmeldungen zum Film. Das Gespräch hat allen gut getan, sagt der Schulleiter. „Die Klasse ist wie ausgewechselt, die Schülerinnen und Schüler sind viel ansprechbarer“, sagt er. Auch viele Eltern zeigen und verdeutlichen, dass sie ihre Verantwortung für den Schulerfolg ihrer Kinder nun ernster nehmen wollen.

von Annabel Trautwein

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