Kinderzeitung: Junge Künstler erkunden die Insel mit Stift und Papier

Nino und Jannis waren als Künstler und Kartografen in Wilhelmsburg unterwegs

Wenn Leute eine Gegend erkunden wollen, nehmen sie oft eine Karte mit und schauen darauf nach, welchen Weg sie nehmen wollen. Vor allem Erwachsene machen das oft so. Dass es auch andersherum geht, beweisen Kinder und Jugendliche aus Wilhelmsburg. Gemeinsam mit der Künstlerin Lena Rüther machten sie sich auf den Weg, um die Insel zu entdecken. Immer wieder hielten sie an und malten ihre Umgebung. Auch Jannis, Nino und Linus machten mit. Dabei kam ihnen die Idee: Wir malen unsere eigene Karte von Wilhelmsburg!

Wer mit der Karte von Nino, Linus und Jannis loszieht, sollte bereit sein für ein Abenteuer. Denn wo es nun genau langgeht, verrät der Plan nicht. Es stehen zum Beispiel keine Straßennamen darauf. Stattdessen gibt es eine Menge Empfehlungen für Entdecker – zum Beispiel den Blumensandhafen zwischen Rethe und Reiherstieg. „Der Blumensandhafen ist mein Lieblingsort, weil Natur und Industrie dort ganz nah beieinander liegen“, sagt Jannis. „Auf der einen Seite liegen die Tanker und auf der anderen gibt es eine große Wattfläche mit Vögeln.“ Sein Freund Nino mag besonders den Süderelbstrand in Finkenriek und die Windmühle. „Die ist richtig cool“, sagt er. „Weil sie so alt ist.“

Auf ihrer Tour durch Wilhelmsburg haben die Kinder und Jugendlichen die Windmühle, den Strand und den Blumensandhafen ganz genau erkundet und gemalt. Auch an vielen anderen Stellen haben sie die Stifte gezückt und ihre Umgebung festgehalten: Auf dem Kinderbauernhof zum Beispiel, auf der Autobahnüberführung oder im türkischen Supermarkt. Jetzt gibt es von jedem Ort eine Menge unterschiedlicher Bilder. Auf einigen ist schnell zu erkennen, welche Stelle gemeint ist. Den Blick auf den Spreehafen können viele Wilhelmsburger leicht wiedererkennen. Die Bunthäuser Spitze ist ein beliebtes Ausflugsziel, und auch die Honigfabrik mit ihren bunten Glasscheiben ist auf der Insel sehr bekannt.

Bilder-Tausch mit Shanghai

„Die Honigfabrik war auch unser Mittelpunkt“, sagt Jannis. Hier trafen sich die Entdecker, um ihre Ausflüge mit Lena Rüther zu planen. Seit den Herbstferien im vergangenen Jahr gab es beinahe jeden Freitag ein Treffen, damit das „township plotting“ weitergehen konnte. So heißt das Projekt. Auch in den Hamburger Stadtteilen Ochsenwerder und in Finkenwerder gab es „township plotting“ Gruppen. Sogar in der chinesischen Stadt Shanghai sind Kinder und Jugendliche mit Stiften und Papier unterwegs, um sich ihr eigenes Bild von ihrer Nachbarschaft zu machen. Jannis und Nino erzählen, dass sie den Stadtteil-Entdeckern in China einige ihrer Bilder geschickt haben. Zum Tausch schickte die Gruppe aus Shanghai Bilder aus ihrer Umgebung zurück.

All diese Kunstwerke werden nun in der Honigfabrik ausgestellt. Am Mittwoch feierten die Mädchen und Jungen mit vielen Gästen ihre Vernissage. So nennen es Künstler, wenn eine Ausstellung beginnt. Bis November können alle Kinder und Erwachsenen die Bilder vom Projekt „township plotting“ in der Honigfabrik anschauen. Von Donnerstag an sind einige Bilder auch im Café Deichdiele und im Klamottenladen Wilhelmine an der Veringstraße zu sehen.

Wer die Bilder mit nach Hause nehmen möchte, kann in der Honigfabrik auch ein Buch kaufen, in dem alle Kunstwerke abgedruckt sind. Für Kinder oder Erwachsene, die selbst auf Erkundungstour gehen möchten, gibt es die Karte von Jannis, Linus und Nino. Auch bei der internationalen Gartenschau (igs) am Inselpark oder im Café vju oben auf dem Bunker werden das Buch und die Karte verkauft.

von Annabel Trautwein

 

Tipp:

Ihr wollt euch die besten Orte von erfahrenen Entdeckern zeigen zu lassen? Das geht auch. Die Kinder und Jugendlichen vom „township plotting“ bieten nämlich Führungen durch Wilhelmsburg an. Die erste Tour startet am 14. Oktober um 13 Uhr an der Honigfabrik. Am 18. Oktober beginnt dort um 15 Uhr die zweite Tour. Alle, die mitwollen, sind herzlich willkommen.

 

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