Mobile Sauna „Zunderbüchse“ macht Dampf

Sanne Neumuth, Christine Hill, Florian Tampe, Klaus Schmidt und Max Schütze freuen sich auf die Sauna-Saison

Es geht wieder heiß her auf der Insel: Die neue mobile Sauna „Zunderbüchse“ ist einsatzbereit. Ab sofort können sich Nachbarinnen und Nachbarn zur Schwitzkur in dem umgebauten Wohnwagen am Rotenhäuser Damm anmelden. Nebenher laufen die letzten Bauarbeiten: Eine Ruhezone, eine Umkleidekabine, eine Bar und eine Teestube soll das neun Meter lange Gefährt noch bekommen. Anschließend wollen die Macherinnen und Macher des Projekts die „Zunderbüchse“ in Wilhelmsburg auf Reisen schicken. Privatleute, Initiativen oder Vereine können Paten der Sauna werden und vor der eigenen Tür selbst einheizen.

Weiße Kunststoffkarosserie, Plexiglasfenster, ein paar Spuren und Dellen aus vergangenen Urlauben – noch sieht man der „Zunderbüchse“ ihre Vergangenheit an. Bis das Camping-Flair verschwunden ist, hat das Team noch Arbeit vor sich. Das Herzstück aber ist fertig: Die Holzbänke stehen, das Thermometer ist installiert, die Sanduhr läuft und im Ofen knistern die ersten Scheite. Ab sofort wird Dampf gemacht in der Zunderbüchse, auch vor dem Start des regulären Saunabetriebs. Wer sich vorher anmeldet, kann jetzt schon testen. Nicht vergessen: große Handtücher, Bademantel, Duschsachen, Creme, Mütze und Badeschlappen. „Die sind ganz wichtig“, sagt Sanne Neumuth vom „Zunderbüchse“-Team.

Bis zur offiziellen Eröffnung haben sie und ihre Mitstreiter noch einiges vor. Der größere Teil des Campingwagens soll zur Ruhezone mit Teestube umgebaut werden. Draußen soll eine Bar für kalte Getränke entstehen, dazu ein Kulturkiosk, an dem sich Saunagäste Musik von der Insel oder Wilhelmsburger Literatur ausleihen können. Eine Solaranlage soll künftig Strom für die Beleuchtung liefern. „Wir überlegen auch noch, was wir mit der Duschanlage machen“, sagt Sanne Neumuth. Zurzeit helfen hier die Gastgeber von der Universität der Nachbarschaften aus, indem sie Dusche und Badewanne auf dem Dach ihres Hotels zur Verfügung stellen.

„Zunderbüchse“-Team sucht Paten für die Sauna

Doch auf dem Experimentierfeld am Rotenhäuser Damm 30 kann die „Zunderbüchse“ nicht dauerhaft bleiben. Die Universität der Nachbarschaften feierte am Mittwoch ihren Abschied aus dem Stadtteil. Vier Jahre lang testeten dort Studierende der HafenCity Universität zusammen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus Wilhelmsburg neue Ideen zum Zusammenleben und Bauen im Quartier. Nun werden die Bauten auf dem Gelände bis zum 10. Februar nach und nach zerlegt, zum Schluss soll auch das Hauptgebäude, das ehemalige Gesundheitsamt, abgerissen werden. Ist alles verschwunden, muss auch die Sauna weiterziehen. „Wir sind ganz heiß auf der Suche nach einem Stellplatz“, sagt Sanne Neumuth. Sie hofft auf Menschen im Stadtteil, die der Sauna auf ihrem Privatgrundstück, auf Vereins- oder Betriebsgelände für eine Weile Platz bieten. Als Paten der Sauna entscheiden sie dann selbst über die Öffnungszeiten und halten den Betrieb am Laufen. Im Gegenzug behalten die Patinnen und Paten, was sich im Spendentopf ansammelt – denn auch diesmal soll das Saunieren keinen festen Eintritt kosten. „Die Zunderbüchse ist ein Nachbarschaft-Projekt“, sagt Sanne Neumuth.

Ohne die Hilfe vieler engagierter Leute wäre das Projekt kaum wahr geworden, sagt sie. „Zum Beispiel haben wir die komplette Sauna-Einrichtung geschenkt bekommen. Dafür noch einmal vielen Dank an Familie Müller aus Glinde!“ Der Interkulturelle Garten e.V. hat offiziell die Trägerschaft für das Projekt „Zunderbüchse“ übernommen, damit das Team auch Fördergeld beantragen kann. Finanzspritzen aus dem Stadtteil hat es bisher nicht gegeben, sagt Sanne Neumuth. Größere Einkäufe wie den Wohnwagen und den Ofen zahlten die Macher vorerst aus eigener Tasche. Nun hoffen sie auf Sponsoren, die das Projekt auch finanziell unterstützen wollen. Tatkräftige Helfer hatte die „Zunderbüchse“ von Anfang an: Viele Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger meldeten sich auf den Aufruf der drei Initiatoren Sanne Neumuth, Florian Tampe und Arne Theophil, um Ideen beizusteuern und beim Bau mit anzupacken. Auch der letzte Schliff ist Gemeinschaftsarbeit – bis spät in die Nacht sind die freiwilligen Bauleute bisweilen am Werk.

Protest gegen den Verlust der öffentlichen Sauna

Spaß am Bauen und die Aussicht auf Entspannung am knisternden Ofen ist nicht das einzige, was sie antreibt. Es ist auch der Ärger darüber, dass Wilhelmsburg beim Neubau der Inselpark-Schwimmhalle seine frühere, feste Sauna eingebüßt hat. Schon im Frühjahr 2013 hatten Florian Tampe und Sanne Neumuth die Entscheidung mit der Aktion „Verschwitzt“ angeprangert: Pünktlich zur Eröffnung des neuen Schwimmbads fuhren sie mit einem kleinen, zur Sauna ausgebauten Wohnwagen auf dem igs-Gelände vor. Dort durften sie zwar nicht bleiben, doch der alternative Standort an den Zinnwerken wurde so gut besucht, dass die Gastgeber noch einige Tage länger einheizten als zuvor geplant. Da es in Wilhelmsburg immer noch keine feste öffentliche Sauna gibt, sei es nur konsequent, das Schwitzen auf Rädern weiterhin anzubieten, meint Florian Tampe. „Wenn sich nichts ändert, muss man halt weitermachen. Wenn es dann noch Spaß macht, machen wir umso lieber weiter.“

Helfende Hände braucht das Projekt nach wie vor. „Man kann auch gerne mit dekorieren“, sagt Sanne Neumuth. „Es ist noch alles offen und alles möglich.“ Auf der Facebook-Seite der „Zunderbüchse“ wird der Fortgang der Bauarbeiten dokumentiert, auch eine Bedarfsliste ist dort veröffentlicht. Wer mitarbeiten möchte, das Projekt als Sponsor oder Pate unterstützen will oder sich zum Saunieren anmelden möchte, kann eine Mail schreiben, anrufen oder direkt vorbeischauen. Das Zunderbüchsen-Team ist hier erreichbar:

 

von Annabel Trautwein

 

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