Nachts in den Inselpark? Kleingärtner und Angler sind guten Mutes

Für Kleingärtner sollen die Tore am Inselpark jederzeit passierbar sein - so hat es der Bezirk Mitte versprochen

Gemütliche Grillabende bei den Gartenfreunden oder Nachtangeln an den Ufern von Kükenbrack und Kuckucksteich: Abendliche Aktivitäten wie diese könnten nicht mehr möglich sein, wenn der Bezirk Mitte den Zaun rund um den Inselpark weiterhin nachts geschlossen hält. Doch die Betroffenen bleiben zuversichtlich. „Es wird schon irgendwie gehen“, sagen Kleingärtner und Angler. Zumindest für die Gartenvereine ist offenbar eine Lösung in Sicht.

Im Frühjahr geht es wieder los: Die Gärtner kehren in die Kleingartenkolonien im Inselpark zurück. Es gibt eine Menge zu beackern und zu jäten. Viele richten ihre Lauben her, machen Pause mit Klönschnack am Gartenzaun oder veranstalten Grillabende bis in die Nacht hinein. So soll es auch in diesem Jahr möglich sein – auch wenn der Zaun um den Inselpark bleiben sollte, sagt Christian Albrecht, Vorsitzender der Gartenfreunde am Bracksee. Der Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) habe ihm und seinen Kollegen der Kleingartenvereine Grüner Deich und Im Bauernfelde schon zugesichert: Egal wie die Entscheidung über den Zaun ausfällt, die Kleingärtner müssen sich um die Sperrstunde keine Sorgen machen.

„Wir sollen rund um die Uhr Zugang haben. Ob mit Schlüssel oder mit einer Karte, das ist noch nicht geklärt“, sagt Christian Albrecht im Gespräch mit WilhelmsburgOnline.de. Vor knapp zwei Wochen sah es noch nicht so gut aus für die Kleingärtner: Der Bezirk Mitte ließ mitteilen, der Zaun um den Park solle erhalten bleiben und dauerhaft nachts abgeschlossen werden. Die Nachricht löste ein stadtweites Medienecho aus. „Da war ich zuerst auch stinksauer“, sagt Christian Albrecht. Nicht nur, weil der Bezirk sich noch im Dezember bei den Kleingärtnern gemeldet habe, um eine einvernehmliche Lösung zu suchen. Auch die Barriere rund um den Park stört ihn. „Natürlich ist jeder Zaun lästig“, sagt er.

Gesprächstermin beim Bezirksamtsleiter

Nun aber will der Bezirk Mitte für die Kleingärtner Schlupflöcher schaffen. Am Dienstagmorgen, so erzählt Christian Albrecht, waren die Vorsitzenden der Kolonien Gartenfreunde am Bracksee, Grüner Deich und Im Bauernfelde bei Bezirksamtsleiter Andy Grote eingeladen, um die Zukunft im Inselpark zu besprechen. Die Mitarbeiter des Bezirks suchen nach Aussage ihres Sprechers derzeit nach Wegen, den Park so offen wie möglich zu halten. Einige Entwürfe zum möglichen Verlauf des Zauns bekamen auch die Kleingärtner zu sehen, wie der Vorsitzende der Gartenfreunde am Bracksee berichtet – einen konkreten Plan aber nicht. „Wie genau der Zaun laufen soll, ist noch nicht geklärt“, sagt Christian Albrecht.

Er ist zuversichtlich, dass der Bezirk Wort halten wird. „Die Gespräche waren sehr positiv. Die Mitarbeiter des Bezirks haben alle unsere Fragen beantwortet und sich dafür auch viel Zeit genommen“, berichtet er. Zudem hätten die Kleingärtner selbst Ideen einbringen können, zum Beispiel den Vorschlag, zweimal in der Woche Müll entsorgen zu lassen oder Temposchwellen auf den Wegen einzurichten. „Das wird jetzt alles geprüft“, sagt Christian Albrecht. Dass Andy Grote ihm und seinen Kollegen noch keine festen Zusagen machte, tut seiner Zuversicht keinen Abbruch. Vereine und Bezirk wollten weiterhin in Kontakt bleiben, um gemeinsam gute Lösungen zu erarbeiten. „Das muss ja auch wachsen. Man kann ja nicht alles planen“, sagt der Wilhelmsburger. Ein Versprechen hätten die Kleingärtner dem Bezirk schon gegeben: „Wir würden auch ein Auge darauf werfen, dass der Park in Ordnung gehalten wird und es da keine Randale gibt. Es ist ja auch in unserem Sinne, dass es da ein bisschen ordentlich aussieht.“

Angelsport-Vorsitzender blickt gelassen nach vorn

Auch die Anglerinnen und Angler vom ASV Harburg-Wilhelmsburg haben bereits gute Erfahrungen mit Kompromissen zwischen Verein und Stadt gemacht. Der Verein, der etwa 500 Mitglieder zählt, hat den Kuckucksteich auf dem Gelände des Inselparks zum Angeln gepachtet, ebenso den Schöpfwerksgraben, der auch als südliche Wilhelmsburger Wettern bekannt ist. Das Kükenbrack nutzt der Angelsportverein gemeinsam mit dem Verein Frühauf. Während der internationalen Gartenschau durften sie in diesen Gewässern nicht angeln, sagt Ludwig Tent, Vorsitzender des ASV. Doch die Angler seien für den Verzicht entschädigt worden: „Wir haben uns dafür zwei Führungen geben lassen.“

In Zukunft werden die Angler wohl auch wieder im Inselpark ihre Köder auswerfen – davon geht Ludwig Tent aus, auch wenn er noch keine klare Absprache mit dem Bezirk getroffen hat. „Ich stelle mir vor, dass ein vernünftiger Park zustande kommt, in dem verschiedene Aktivitäten möglich sind, der aber auch Raum für Naturentwicklung lässt“, sagt er. Als Gewässer- und Fischereibiologe liegt ihm der Schutz der Seen, Teiche und Wettern ebenso am Herzen wie das Angelvergnügen. „Gewässer müssen als Lebensraum geschützt werden. Eine nicht nachhaltige Naturnutzung wird auch in der Angelei keine Zukunft haben“, sagt er. Auch wenn die Wilhelmsburger Gewässer ihm bislang keinen Anlass zur Sorge gäben, könne es nicht schaden, wenn dort zwischenzeitlich Angelpause herrsche. Wann und zu welchen Zeiten das Angeln in den Inselpark-Gewässern wieder möglich ist, will Ludwig Tent erst einmal abwarten. Ein Angebot zum Gespräch hat er dem Bezirksamt schon geschickt, eine Antwort steht noch aus. Es eile nicht, meint der Angler. „Wenn die das so locker sehen wie ich, kann ich mir auch vorstellen, dass da gar keine Antwort kommt.“

von Annabel Trautwein

 

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3 Kommentare zu Nachts in den Inselpark? Kleingärtner und Angler sind guten Mutes

  • Kpt.Iglo  sagt:

    Na das ist doch mal "supie", vor 5 Jahren konnte ich noch ganz entspannt mit dem Fahrrad im Grünen nach Harburg fahren(das ging aus aus Hamburg kommend), es war richtig toll in den lauwarmen Sommennächten an den Gräben entlang durch den Park zu fahren. Und nun ist das nicht mehr möglich, also ich finde ja nicht das es besser geworden ist dank der IGB/IGS auf der Insel.  

  • Renate Hercher-Reis  sagt:

    Liebe Kleingärtner und Angler, ich finde es kontraproduktiv, wenn für Sie Sonderregelungen geschaffen werden. Es wäre besser, wenn Sie sich mit uns dafür einsetzen, dass ein Park, der vor dem ganzen Spektakel für alle Wilhelmsburger immer offen stand, nun wieder an die gesamte Bevölkerung zurück gegeben wird. Wenn der Zaun bleibt, ist meiner Meinung nach der Anreiz viel größer, dass über den Zaun gestiegen wird und vorhandene Installationen beschädigt werden könnten. So viel Wachpersonal kann man gar nicht einstellen, um soetwas zu verhindern. Nach der halbherzigen, öffentlichen Übergabe des Parks an die Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger sollte man nun ein Zeichen setzen, den häßlichen Zaun entfernen und Menschen sagen, dass dies nun Ihr Eigentum ist und  dass man gut drauf achten soll. 

    Was wir nun aber in Wilhelmsburg überhaupt nicht brauchen, ist eine Bürgerwehr aus Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern, sowie Mitgliedern aus Angelvereinen. 

  • Ronald Wilken  sagt:

    Die Kleingärtner haben erst regiert, als aus der Presse zu entnehmen war, dass der Zaun nicht verschwinden soll. Denn wenn der Zaun bleibt, müssen sie jederzeit das Gelände betreten und verlassen können. Z. B. nach einer Feier in ihrem Kleingarten, kann es ja nicht sein, wenn sie diesen zu vorgerückter Stunde nicht mehr verlassen können. Die Kleingärtner mit einer Bürgerwehr zu vergleichen ist geradezu absurd. Selbtsverständlich wird ein Kleingärtner jemand dazu auffordern,  wenn er Müll auf dem igs-Gelände hinterläßt oder eine Sachbeschädigung begeht, dies doch bitte zu unterlassen. genauso, wenn jemand vor ihrer Haustür das gleiche tut, werden sie ihn auch bitten dies zu unterlassen, oder? Desweiteren sollte man mal  Kontakt mit den Kleingärtner aufnehmen, bevor man so einen Unsinn schreibt. Die Mehrheit der Kleingärtner ist ebenfalls gegen diesen unsinningen Zaun. Nicht zuletzt hatten fünf von sechs  Kleingartenvereine, die auf und am dem igs-Gelände liegen, jegliche Zusammenarbeit mit der igs abgelehnt und das, trotz des Angebotes der igs, dass sie bei einer Zusammenarbeit Blumen umsonst erhalten würden. Dies zeigt ja wohl deutlich, was für eine Einstellung die Kleingärtner zum Inselpark haben.

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