Besser als nix: Holzwand als Schutz am Katenweg

Sabine Böttger in ihrem Garten (Large)

Der Protest gegen den Bahnlärm am Katenweg scheint zu wirken: Statt freiem Blick auf die Gleise haben die Anwohner nun Holzwände vor Augen, die den Lärm ein wenig dämpfen. Die Wände dienen aber nur dem Sichtschutz und sollen nach acht Wochen wieder abgebaut werden, sagt die Planungsgesellschaft DEGES. Mobilen Lärmschutz am Katenweg lehnen sowohl die DEGES als auch die Stadt Hamburg ab – aus verschiedenen Gründen. Der Senat sagt: Der Bau von provisorischen Lärmschutzwänden ist dort nicht möglich. Eine Sprecherin der DEGES sagt: „Das ist einfach viel zu teuer.“

„Es ist ein bisschen leiser geworden, aber natürlich nicht so, wie es sein sollte“, sagt Sabine Böttger. Nach dem nächtlichen Abriss der Lärmschutzwände zwischen ihrem Grundstück und der achtspurigen Bahntrasse hatten sie und ihr Partner Alfred Lischewski Krach von bis zu 90 Dezibel aushalten müssen. Um das Problem anzuprangern, luden sie zur Protestaktion in ihren Garten ein und machten ihre Not öffentlich. „Jetzt haben wir acht bis zehn Dezibel weniger“, sagt Sabine Böttger. Seit die Holzwand hinter dem Haus steht, wache sie nachts nicht mehr ganz so häufig auf. Ruhe finde sie trotzdem nicht, sagt sie. Auch Alfred Lischewski ist nach wie vor gestresst. „Wir sind nach wie vor im gesundheitsschädlichen Bereich von über 70 Dezibel“, sagt er. Eine Gefahr für die Gesundheit besteht laut Hamburger Gesundheitsbehörde schon ab 55 Dezibel.

Seit Wochen fordern Anwohner und Aktivisten der Gruppe Engagierte Wilhelmsburger mobile Lärmschutzwände am Katenweg. Doch weder die Stadt Hamburg, die für die Baumaßnahmen verantwortlich ist, noch die Planungsgesellschaft DEGES wollen etwas davon wissen. Der Senat begründet das mit technischen Schwierigkeiten: „Unabhängig von der Tatsache, dass provisorische Lärmschutzwände dort den meisten Arbeiten im Wege stünden, gibt es angesichts der starken Sogwirkung vorbeifahrender Züge zurzeit keine entsprechenden, von der Deutschen Bahn zugelassenen Systeme“, schreibt die Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Linke-Abgeordneten Heike Sudmann. Die DEGES dagegen lehnt mobilen Lärmschutz am Katenweg aus Kostengründen ab. „Das ist einfach viel zu teuer“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage von WilhelmsburgOnline.de.

Lärmschutz ist nur Nebeneffekt

Dass die Holzwand die Anwohner ruhiger schlafen lässt, ist laut DEGES ein „angenehmer Nebeneffekt“. Die Wand zwischen Bahntrasse und Wohnhäusern solle gar nicht vor Lärm, sondern vor allem vor dem Anblick der Bauarbeiten am Gleis schützen. Alfred Lischewski glaubt das nicht. Die Wände säumten die Gleise schließlich nicht nur dort, wo Anwohner gestört sein könnten, sondern seien auch an der südlich gelegenen Brücke über den König-Georg-Deich errichtet worden. „Die Autofahrer, die da drunter her fahren, werden sich wohl kaum am Anblick der Bauarbeiten stören“, meint Alfred Lischewski. Er vermutet: Die Holzwände sollen eher diejenigen schützen, die den Lärm zu verantworten haben – und zwar vor dem unliebsamen Anblick von Pressefotos, auf denen Züge und S-Bahnen unmittelbar hinter seinem Garten vorbeirauschen.

Ist die Bretterwand am Katenweg ein Zugeständnis, eine Reaktion auf die Proteste der Anwohner, das politische Engagement, die Berichterstattung über den Lärm? So will die DEGES es nicht verstanden wissen. Zwar wurde die Holzwand dort errichtet, wo sich der größte Widerstand formierte, während im Norden zwischen Brackstraße und Neuenfelder Straße immer noch Bau- und Bahnlärm ungebremst auf Wohnhäuser trifft. Das liege aber am Zeitplan, sagt die DEGES-Sprecherin. Im nördlichen Abschnitt seien schon für Anfang Mai die nächsten größeren Bauarbeiten geplant. Entlang der Bahntrasse sollen Bohrpfähle hergestellt werden – da stünde eine Sichtschutzwand dann im Weg.

Sabine Böttger, Alfred Lischewski und Heike Sudmann von der Linken sind sehr wohl davon überzeugt, dass sich der Protest gelohnt hat. „Langsam dämmert wohl auch dem Senat, dass er hier einen Schildbürgerstreich zu verantworten hat“, schreibt die Politikerin auf der Internetseite ihrer Fraktion. Die betroffenen Anwohner und Aktivisten wollen weiterhin wachsam sein. „Es ist ja nicht so, dass man gar nichts erreichen kann“, sagt Sabine Böttger. „Wir versuchen jetzt, weitere Informationen zu bekommen.“ Die soll es für die Anwohner des Katenwegs am 15. April geben: Die DEGES lädt zu einer Informationsveranstaltung im neuen Baubüro an der Rotenhäuser Straße 14 ein.

Alfred Lischewski ist nach wie vor misstrauisch: Er und seine Lebensgefährtin hätten keine Einladung im Briefkasten gehabt, sagt er. Erst auf einem Treffen der Engagierten Wilhelmsburger habe davon erfahren. Seitdem hängt die Einladung wetterfest eingeschweißt an einer Tafel vor seiner Einfahrt, neben weiteren Dokumenten und Protestschreiben. „Unmöglich“ findet der Wilhelmsburger auch, dass die Info-Veranstaltung bei der DEGES um 15 Uhr stattfinden soll, an einem normalen Arbeitstag. „Wir haben den Eindruck, dass man so eine Tageszeit wählt in der Hoffnung, dass da kaum einer kommt“, sagt Alfred Lischewski.

von Annabel Trautwein

 

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ein Kommentar zu Besser als nix: Holzwand als Schutz am Katenweg

  • Jens  sagt:

    Die DEGES plante bisher nur auf der grünen Wiese.

    Jetzt sind auf einmal Anwohner da die sich beschweren, weil Lärm krank macht.

    Richtig so, haltet der DEGES immer wieder den Spiegel vor. Damit Sie Ihre häßliche und menschen verachtende Vorgehensweise überdenken. Oder das der Bürgermeister Olaf Scholz seine Bürger/innen vor der DEGES schützt.

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