Perspektiven-Planer übergeben ihre Ergebnisse

Perspektiven-Bericht ist raus (Large)

Geschafft! Der Abschlussbericht des Beteiligungsverfahrens „Perspektiven! Miteinander planen für die Elbinseln“ ist fertig. Am Mittwoch überreichte eine Gruppe von Aktiven den fast 150 Seiten starken Bericht an Bezirksamtsleiter Andy Grote und Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (beide SPD). Das gebündelte Insider-Wissen von hunderten Menschen aus Wilhelmsburg und der Veddel soll ihnen helfen, bessere Entscheidungen für die Zukunft der Elbinseln zu treffen. Was sie mit den Ergebnissen des Berichts vorhaben, sollen Politik und Verwaltung bis zum 20. Mai – also noch vor den Bezirkswahlen – bekanntgeben. Andy Grote stellte schon für die kommende Woche ein erstes Signal aus dem Bezirk in Aussicht.

Fast 400 Menschen steckten Zeit und Arbeit in das Gelingen des Perspektiven-Prozesses – meist ehrenamtlich nach Feierabend. Siebeneinhalb Monate lang trafen sie sich zur Gruppenarbeit im Bürgerhaus und beratschlagten über die Themen, die ihnen besonders am Herzen liegen: Wohnen und Naturschutz, Bildung und Sport, Inklusion, Verkehr, Wirtschaft und noch einiges mehr. In zwölf Themengruppen entwickelten sie Pläne, Ideen und konstruktive Kritik für die Zukunft in Wilhelmsburg und auf der Veddel. Doch nicht nur die, die sich im Bürgerhaus trafen, wirkten am Gelingen des Berichts mit: Weitere 220 Personen erzählten in Stadtteilgesprächen, was ihnen für Wilhelmsburg und die Veddel wichtig ist. So wollten die Koordinatoren des Verfahrens auch diejenigen einbeziehen, die sich sonst nicht an politischen Debatten beteiligen. Alle sollten mitreden und mitgestalten können.

Ihre Themen fanden die Perspektiven-Planer meist vor der eigenen Haustür. So vielfältig wie die Lebenswelten und Blickwinkel der Menschen auf den Elbinseln liest sich auch der Abschlussbericht: Die Gruppe „Gärten, Wasser und Naturschutz“ fordert den Erhalt von Kleingärten und mehr Zugang zu Hafenbecken und Kanälen. Lehrer und Pädagogen verlangen eine Grundsicherung für alle Bildungseinrichtungen auf den Inseln. Die Aktiven der Gruppe „Inklusion“ wollen wie in Altona klare Regeln für Neu- und Umbauten im Stadtteil, die niemanden außen vor lassen. Mehr Treffpunkte für Nachbarn und einen freundlicheren Umgangston in Ämtern und Behörden wünscht sich die Gruppe „Miteinander leben“. Das Planerteam „Hier kommt die Veddel“ will Mietwohnungen ohne Schimmel, mehr Geschäfte und Ärzte in der Nachbarschaft und einen Strand. Ernsthaften Einsatz für Fahrradfahrer fordert die Gruppe „Verkehr“, während die Gruppe „Wirtschaft“ freie Fahrt für Lkw und Hafenlogistik verlangt. Umfangreiche Vorschläge zur Stadtteilentwicklung steuert die Gruppe „Wohnen und noch viel mehr“ in den Bericht ein. Und die Gruppe „Partizipation“ will dafür sorgen, dass auch in Zukunft Bürgerinnen und Bürger sich nach ihren eigenen Vorstellungen einmischen können und von Politik und Verwaltung ernst genommen werden.

Insgesamt etwa ein Jahr ehrenamtliche Vollzeit-Arbeit – so viel Einsatz steckt in den Ergebnissen des Perspektiven-Verfahrens, sagte Bettina Kiehn vom Bürgerhaus Wilhelmsburg bei der Übergabe des Berichts im Foyer der Stadtentwicklungsbehörde (BSU). Sie dankte allen Beteiligten aus dem Stadtteil, dem Bezirksamt und der BSU, die diese Arbeit ermöglichten. Als Vertreterin der Themengruppen forderte Cordula Radtke die Senatorin und den Bezirksamtschef auf, es bei dem Ergebnis nicht bewenden zu lassen. „Nehmen sie uns wahr, nehmen sie uns ernst!“, sagte sie. Oft hätten Planer und Betroffene ein ganz unterschiedliches Bild von dem, was Politik und Verwaltung im Stadtteil erreichen wollen. Um dazwischen eine Brücke zu schlagen, die „die da oben“ und „die da unten“ zusammenführt, sei es dringend notwendig, das Beteiligungsprojekt zu einer dauerhaften Zusammenarbeit auszubauen. „Perspektiven! Soll der Beginn einer neuen Beteiligungskultur auf den Elbinseln sein“, bekräftigte Bettina Kiehn.

Bezirksamtschef Andy Grote stimmte dem zu. Der Ergebnisbericht sei aus seiner Sicht ein Zwischenergebnis. Der Bezirk werde sich zügig darum kümmern, daraus ein Modell für dauerhafte Beteiligung abzuleiten und diese auch finanziell zu ermöglichen. Schon nächste Woche soll der Bericht im Hauptausschuss des Bezirks vorgelegt werden, damit sich die Abgeordneten dazu äußern können, sagt Andy Grote – immerhin habe die Bezirksversammlung das Verfahren auch mit auf den Weg gebracht. Nun soll das Ergebnis ausgewertet werden. „Bei allen grundsätzlichen Entscheidungen wird es zu Rate gezogen“, versprach Andy Grote auf Nachfrage von WilhelmsburgOnline.de.

Der Bezirksamtschef zollte dem Einsatz der Bürgerinnen und Bürger großen Respekt. „Diese Art der Beteiligung – diese Breite, diese Reichweite, diese Intensität, die große Zahl der Menschen, die hier erreicht wurden – ist eine einzigartige Leistung“, sagte er. „Da kann Wilhelmsburg stolz auf sich selber sein, dass man so etwas hinbekommen hat.“ Auch Senatorin Jutta Blankau lobte den Einsatz der Menschen aus Wilhelmsburg und der Veddel, aber auch ihre Mitarbeiter, die sich schon im Rahmen der IBA für Bürgerbeteiligung eingesetzt hätten. Die Ideen aus dem Perspektiven-Verfahren böten auch den Planern ihrer Behörde neue Anregungen, sagte sie. Wie und wann ihre Behörde sich damit befassen wollen, sagte sie jedoch nicht. „Die Entscheider sind letzten Endes die, die in der Bezirksversammlung darüber zu befinden haben.“

von Annabel Trautwein

 

Grillfest für alle

Am 10. Mai soll das Ergebnis des Perspektiven-Berichts am Bürgerhaus mit einem Grillfest gefeiert werden. Alle interessierten sind herzlich zum „Gipfeltreffen“ eingeladen. Das Fest beginnt um 14 Uhr.

 

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ein Kommentar zu Perspektiven-Planer übergeben ihre Ergebnisse

  • H-J Maass  sagt:

    "Insgesamt waren an der Themengruppe (gemeint ist Verkehr – Anm. hjm) 32 Personen beteiligt, davon 13 Frauen. Die Gruppe tagte zum Schluss in kleiner Gruppe von zwei (!) bis fünf Teilnehmern." – aus: Perspektiven – Ergebnisbericht, S. 89

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