Grote: „Die Hilfsbereitschaft ist großartig“

Alte Schule Karl-Arnold-Ring

Die Pläne des Senats zur Notunterbringung von Flüchtlingen stoßen in Wilhelmsburg auf gemischte Gefühle. Manche Inselbewohner fühlen sich verunsichert, überfordert, bedroht. Warum kommen so viele ausgerechnet auf die Insel? Weshalb sind es auf einmal so viele? Andere Menschen in Wilhelmsburg fragen sich, wie sie am besten helfen können, und organisieren Unterstützung für die geflüchteten Familien am Karl-Arnold-Ring. Über gute Nachbarschaftshilfe und schwierige Aufnahme-Bedingungen spricht Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) im Interview mit WilhelmsburgOnline.de.

Am Karl-Arnold-Ring sollen 300 Flüchtlinge wohnen, in der Dratelnstraße künftig 240. Fachleute warnen vor einer solchen Massenunterbringung – auch im Sinne der Flüchtlinge. Warum werden die Menschen nicht auf mehrere kleinere Unterkünfte verteilt? Es steht doch genug Wohnraum leer in Hamburg-Mitte.

Vorweg: Welche Flächen jetzt beschafft und eingerichtet werden, entscheidet nicht der Bezirk. Das macht allein die Basfi (Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Anm. d. Red.) beziehungsweise die Innenbehörde gemeinsam mit Fördern und Wohnen. Der Hintergrund ist nun, dass wir innerhalb ganz kurzer Zeit eine bestimmte Kapazität erreichen müssen. Natürlich würde jeder diese Unterkünfte lieber gleichmäßig übers Stadtgebiet verteilen und auch in wohlhabende Stadtteile integrieren – das wäre fachlich besser. Wir haben nur die Wahl nicht. Wir haben nur diese Möglichkeit, um die Menschen überhaupt unterzubringen. Nebenher verhandelt aber auch die Basfi mit der SAGA, um Wohnungen, die zwischenzeitlich leerstehen, als Flüchtlingsunterkünfte zu vermitteln.

Von allen Stadtteilen in Mitte sollen Wilhelmsburg und Billstedt die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Warum?

Die höchste Belastung hat Billbrook, aber die Unterkünfte sind direkt an der Grenze zu Billstedt. Und wenn man beide Stadtteile zusammenzählt, dann sind es etwa 1.800 Plätze. Das ist sehr, sehr viel. Da haben wir eine kritische Situation. Aber in den dicht bebauten Stadtquartieren haben wir gar nicht die Flächen, um derartige Mengen unterzubringen. Wir brauchen große, leerstehende Flächen. Die haben wir fast nur in Randlagen und in der Nähe von Gewerbegebieten – oder eben leerstehende Schulen wie am Karl-Arnold-Ring. Ich würde sehr gerne eine Unterkunft auf St. Pauli oder in St. Georg einrichten. Aber ich habe dort keinen geeigneten Platz.

Viele Menschen in Wilhelmsburg stehen bereit, um zu helfen. Manche bieten sogar an, Flüchtlinge bei sich zu Hause aufzunehmen. Wie wollen Sie mit solchen Angeboten umgehen?

Diese Hilfsbereitschaft ist natürlich großartig. Wir werden jetzt versuchen, die Institutionen der Stadt, die für die Zentrale Erstaufnahme zuständig sind, und die interessierten Leute in Wilhelmsburg so zusammenzubringen, dass da ein guter Austausch stattfindet. Die Hilfsangebote müssen in die richtigen Kanäle gelenkt werden. Angebote für Zimmer beispielsweise können wir am besten gebrauchen für Flüchtlinge, die schon eine gewisse Aufenthaltsperspektive haben und im Grunde auch Anspruch auf eine öffentlich geförderte Wohnung. Die Menschen wären eigentlich gar nicht mehr auf eine Unterbringung angewiesen, aber wir können ihnen wegen der Lage auf dem Wohnungsmarkt nichts anderes bieten. Für diese Leute wären Angebote für Zimmer super. Wer da etwas konkretes anbieten möchte, kann sich bei unserem Regionalbeauftragten Thorsten Schulz melden. Die Mailadresse ist thorsten.schulz@hamburg-mitte.hamburg.de.

Es gibt auch Leute in Wilhelmsburg, die den Flüchtlingen in ihrer Mitte unsicher und ablehnend begegnen. Was will der Bezirk tun, um überforderten Anwohnern zu helfen und Ressentiments abzubauen?

Wir müssen jetzt informieren, Transparenz und Kommunikation herstellen. Welche Menschen kommen da jetzt? Wie funktioniert die Unterbringung? Welche Betreuung gibt es? Auf welche Schulen sollen die Kinder gehen? Das geschieht alles unter hohem Zeitdruck und es gibt auch noch nicht auf jede Frage eine Antwort. Aber wir müssen jetzt dafür sorgen, dass alle Informationen, die wir haben, bei den Leuten ankommen und dass sie auch Ansprechpartner finden. Darum wollen wir uns schnell kümmern. Die Stadt muss kommunizieren mit dem Stadtteil.

Das Interview führte Annabel Trautwein

 

Tags:  

ein Kommentar zu Grote: „Die Hilfsbereitschaft ist großartig“

  • ErichHonecker  sagt:

    Ja,ja in unserer alten DDR haben wir auch solche Jubelartikel der politiischen Obrigkeit gehabt. Der normale Mensch hat sich dennoch seinen Teil gedacht. Wilhelmsburg Online stellt sich auf eine Stufe mit der PRAWDA und NEUES DEUTSCHLAND…

schreibe was dazu

diese HTML Tags und Attribute können verwendet werden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>