Ende der Rennstrecke: Veringstraße wird Zone 30

Veringstraße

Vollgas, Vollbremsung und dazwischen Lebensgefahr für alle, die sich auf die Straße trauen – so schildern Anwohner der Veringstraße die Verkehrssituation vor ihrer Haustür. Nachts jagen immer wieder hochgerüstete Sportkarossen in illegalen Wettrennen durchs Wohngebiet, auch tagsüber treten einige ohne Rücksicht auf Fußgänger oder Radfahrer das Gaspedal durch. Das Problem ist bekannt, auch bei der Polizei. Dennoch sollte bisher nur der nördliche Teil der Veringstraße ein Tempolimit bekommen. Anwohnern und Politikern reicht das nicht. Auch Menschen im südlichen Abschnitt brauchen Schutz vor Rasern, sagen sie. Nun kommt offenbar Bewegung in die Streitfrage: Der Bezirk gibt grünes Licht für eine Zone 30 vom Stübenplatz bis zur Bonifatiuskirche.

Die berüchtigten nächtlichen Rennen sind für Ingo Schwarz nichts neues. Einige betrieben das Rasen auf der Veringstraße offenbar als Hobby oder Mutprobe, sagte der Leiter der Abteilung Prävention und Verkehr im Wilhelmsburger Polizeikommissariat 44. In Einzelfällen seien Autofahrer mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde unterwegs. Die Polizei gehe zwar bereits mit offenen und verdeckten Geschwindigkeitskontrollen gegen Raser vor und werde das auch in Zukunft tun, versichert er. Letztendlich bleibe es aber ein „Glücksfall“, ausgerechnet dann eine Person zu erwischen, die sich gewohnheitsmäßig und in voller Absicht auf die vermeintliche Rennstrecke begibt. Auch der Nutzen einer ständigen Blitzkontrolle sei zweifelhaft, meint Ingo Schwarz – die Raser hätten schnell raus, wo die Kästen stehen. Umerziehen möchte er die PS-Freunde lieber im direkten Gespräch. Zum Schutz vor unverbesserlichen Gefährdern soll nun die ganze Straße ein Tempolimit erhalten.

Tempo 30 sollte zunächst nur in Geschäftszone gelten

Für alle Anwohner südlich der Post wäre damit ein großer Schritt getan. Bisher hatte das Bezirksamt nur für den nördlichen Straßenabschnitt zwischen Stübenplatz und Mannesallee Tempo 30 vorgesehen – jedoch nicht in erster Linie zum Schutz vor Rasern, sondern um die Einkaufszone aufzuwerten und Platz für eine Fahrradroute zu schaffen. Südlich der Post sollten die Radfahrer in die Mannesallee einscheren und entlang der Weimarer Straße weiter radeln. Auf der Veringstraße wäre dann wieder freie Fahrt für den motorisierten Verkehr.

Nun aber wendet sich das Blatt: Die Veloroute 11 soll nicht in die Nebenstraße abbiegen, sondern entlang der Veringstraße weiter geführt werden. Bis zum Ende der Straße soll dann niemand mehr schneller als 30 fahren dürfen. So kündigt es das Fachamt für Management des öffentlichen Raumes aus dem Bezirksamt an. Die Planer versprechen, sich umgehend mit den nötigen Umbauten zu befassen. Im Regionalausschuss am 24. Februar wollen sie ihre Pläne im Wilhelmsburger Rathaus vorstellen. Das Fachamt folgt damit dem Drängen der lokalen Politiker: Sowohl der Stadtteilbeirat als auch der Regionalausschuss fordern schon lange, die Geschwindigkeitsbegrenzung im Süden fortzuführen.

Warum hat die Polizei nicht längst das Tempo 30 auf der Veringstraße durchgesetzt? Dazu sei sie auf die Mitwirkung von Politikern angewiesen, erläutert Hauptkommissar Ingo Schwarz im Gespräch mit WilhelmsburgOnline.de. Laut Straßenverkehrsordnung dürfe die Polizei zwar eine sogenannte Strecke 30 anordnen. Das gehe aber nur dann, wenn die Unfallstatistik zeige, dass auf der betroffenen Straße außergewöhnlich häufig Menschen, Tiere oder Gegenstände zu Schaden kommen, weil andere zu schnell fahren. Sprich: Erst wenn immer wieder etwas passiert, darf die Polizei eigenmächtig einschreiten. „Wir haben glücklicherweise keine entsprechende Verkehrslage“, sagt Ingo Schwarz. Doch damit ist das Tempolimit nicht vom Tisch. Der Bezirk kann nämlich entscheiden, dass eine Zone 30 eingerichtet wird. Das sei dann eine politische Entscheidung, bei der die Polizei ihre Meinung einfließen lassen, aber nicht selbst beschließen könne, sagt Ingo Schwarz. Er und seine Kollegen auf der Wache setzten sich bereits beim Bezirk dafür ein. „Wir sind im Gespräch“, sagt Ingo Schwarz.

Hindernisse sollen das Rasen unmöglich machen

Für einen wirkungsvollen Schutz reiche es natürlich nicht aus, ein Schild für Tempo 30 zu errichten. „Das ist dann genauso ein Verkehrsschild wie es jetzt schon von dieser Klientel ignoriert wird“, sagt Ingo Schwarz. Bei einer Zone 30 aber soll die Straße so umgebaut werden, dass Rasen gar nicht mehr möglich ist, etwa mit Schikanen oder sonstigen Hindernissen. „Da sprechen wir über massive Eingriffe in den Straßenraum“, sagt Ingo Schwarz. „Das ist nichts, was dieses Jahr vollendet wird.“ Gut geplant und umgesetzt aber könne eine so gestaltete Tempo-30-Zone sogar auf Blitzer verzichten – die Veringstraße wäre dann als Rennstrecke endgültig abgeschrieben.

von Annabel Trautwein

 

10 Kommentare zu Ende der Rennstrecke: Veringstraße wird Zone 30

  • Marschall  sagt:

    Scheinbar gibt es doch noch Hoffnung!

  • Vélo 54  sagt:

    Das freut uns sehr! Hamburg solle immer Tempo-30-Zonen ausweisen bevor jemand stirbt oder schwer verletzt wird.

  • Matthias Kramer  sagt:

    Wie schnell fährt denn der M13 in der Veringstraße? Oder wird das dann das Gegenstück zur Winterhuder "Busbeschleunigung"?

    • Vélo 54  sagt:

      Da es auf den 1,4 km der Veringstraße vier Bushaltestellen der Linie 13 gibt, wird die Tempo-30-Zone die Durchschnittsgeschwindigkeit wahrscheinlich nicht signifikant senken.

      • Matthias Kramer  sagt:

        wohl wahr

  • Anonymous  sagt:

    Nur wenn unfälle passiern ?? vollidioten !

     

  • Anonymous  sagt:

    Das gehe aber nur dann, wenn die Unfallstatistik zeige, dass auf der betroffenen Straße außergewöhnlich häufig Menschen, Tiere oder Gegenstände zu Schaden kommen, weil andere zu schnell fahren. Sprich: Erst wenn immer wieder etwas passiert, darf die Polizei eigenmächtig einschreiten. „Wir haben glücklicherweise keine entsprechende Verkehrslage“

     

    Tja da sind man mal wie unfähig behörden sind!

     

    • Torsten Radtke  sagt:

      Hallo Anonymous.

      In diesem Falle sehe ich aber keine Unfähigkeit seitens der Polizei, sondern ein funktionierendes Beispiel der Gewaltentrennung, welche uns hoffentlich erhalten bleiben mag. Was die Geheimdienste veranstalten lässt ja nicht gerade Raum für viel Hoffnung.
      Das Ergebnis mag bisher nicht erfreuen, aber vielleicht kann ja jeder der ein Smartphone in der Tasche hat zur notwendigen Dokumentation beitragen, indem er mal ein Video der Tiefflieger macht, und dem PK 44 zur Verfügung stellt.

      Liebe Grüße,
      Torsten

      • hjm  sagt:

        Gute Idee!

  • L.Slnsk  sagt:

    Habe schon einige knappe Dinge mit ansehen müssen, man kann immer nur hoffen dass keiner umkommt. Mal abgesehen von den Gefahren die es mit sich bringt, ist es auch eine tierische Lärmbelästigung! Aber ob es Verkehrsinseln besser machen? Die Bengels werden weiterhin beim 1. Gang durchtreten..

     

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