Schnapsidee: Autoren der Insel arbeiten mit Alkohol

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Baudelaire hat es getan, Hemmingway sowieso – jetzt wollen auch Schreiber aus Wilhelmsburg mit Alkohol arbeiten. Am Sonntagmittag in der Deichdiele geht es los: Schriftsteller Jörg Ehrnsberger und ein knappes Dutzend Mitschreiber scharen sich um die Bierkästen, die Wirt Andreas Kürschner bereitstellt. Schluck für Schluck wollen sie ihre Ideen für gute Kneipengeschichten entwickeln. Bis 18 Uhr haben sie Zeit, den Geist aus der Flasche in Worte zu fassen und die zu Papier zu bringen. Eine Stunde später lädt die Deichdiele zur feuchtfröhlichen Literaturlesung ein.

Niemand muss. Das macht Jörg Ehrnsberger von Anfang an deutlich. Sollten die Autoren lieber mit klarem Kopf zu Werke schreiten wollen, könnten sie sich auch an Wasser und Rhabarberschorle halten. Doch dass Alkohol die Fantasie beflügeln kann, davon ist der Wilhelmsburger Schriftsteller überzeugt. „Die Wirkung von Alkohol und Schreiben ist meiner Erfahrung nach ähnlich wie Kaffee und Schreiben“, erläutert er. „Der erste Liter stimuliert. Ab dem zweiten Liter wird es wirr. Ab Liter drei ist man allerdings schon wieder sehr nah an Literaturnobelpreis.“ Dass dem illustren Salon in der Deichdiele solch hohe literarische Weihen am Ende auch zuteil werden, will er jedoch nicht in Aussicht stellen: „Leider ist man in der Regel der einzige, der das so sieht.“

Vom Filmriss zur literarischen Hochform

Egal. Der Tag wird dann gelungen sein, wenn alle möglichst viel Spaß daran hatten, sagt Jörg Ehrnsberger. Das Rohmaterial für die Schreibwerkstatt sollen Geschichten sein, die das Leben selbst schreibt – „sagenumwobene Erlebnisse, die nur in Kneipen und Bars stattfinden und an die man sich manchmal nur noch schemenhaft erinnern kann“, erläutert er. Wo das Gedächtnis auf der Strecke bleibt, übernehmen Schwips und Spinnerei. Am Ende steht hoffentlich etwas lesbares auf dem Papier, denn natürlich sollen die Kneipenstorys am Ende auch dem Publikum gefallen. Deshalb gibt es neben Bier und Cocktails auch einen Schuss Fachwissen vom Profi. „ Die Deichdiele ist ganztägig für Publikumsverkehr geöffnet“, fügt Jörg Ehrnsberger hinzu. „Vielleicht wird es da auch live Inspiration geben.“

Mitmachen können alle, die volljährig sind und sich vorher angemeldet haben. Für sie bietet Andreas Kürschner nicht nur Bier und kleine Cocktail-Spezialitäten, sondern auch freien Zugang zum Brunchbuffet. Noch sind Restplätze frei, sagt Jörg Ehrnsberger. Wer für eine Anmeldung zu spät kommt, muss auf den nächsten trinkfreudige Schreiberzirkel warten. Einfach reinkommen und ohne Anmeldung mitschreiben geht leider nicht, sagt der Schriftsteller: „Wir wollen einen Hauch von Restkontrolle behalten.“

von Annabel Trautwein

 

Kurz und bündig:

Schreibwerkstatt „Trinken und Schreiben“ mit Jörg Ehrnsberger, Sonntag, 12. April, 12-18 Uhr in der Deichdiele (Veringstraße 156). Ab 19 Uhr Lesung der Kneipengeschichten. Eintritt frei.

 

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