Der Kurdamm tanzt

Folkstanzwirbel am Kurdamm

Der erste Tanzabend des Interkulturellen Gartens auf dem Hof der Flüchtlingsunterkunft Kurdamm hat viele Wilhelmsburger bewegt. Gemeinsam mit Arne Tingel Theophil vom FolksTanzWirbel forderte der Verein eingesessene wie zugewanderte Bewohner der Insel zum Tanz auf.

„Mal schauen, ob sie anbeißen“, sagt Arne Tingel Theophil, der gerade den Lautsprecher neben dem Kuchenbuffet aufbaut. „Normalerweise bin ich ja nicht so aufgeregt, aber jetzt irgendwie schon!“ Heute möchte er die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Georg-Wilhelm-Straße animieren, zu internationaler Volksmusik zu tanzen. Normalerweise macht er das beim FolksTanzWirbel in der Honigfabrik. Helga Arp vom Interkulturellen Garten hat ihn dafür in die Georg-Wilhelm-Straße bestellt. Auch die Sponsorin Petra Grüber von der Bürgerstiftung Hamburg ist extra hergekommen: „Die Bewohner kommen nur schwer aus ihrer Siedlung heraus, sie haben da eine Art Hemmschwelle. Deswegen wollen wir sie da abholen, wo sie sind.“

Tanzen bis der Schweiß tropft

Kaum erklingen die ersten Melodien, füllt sich der Hof sofort mit Menschen, die sich nach Arnes Anweisungen gegenseitig an den Händen fassen und gemeinsam zu flotten Balkanbeats hüpfen, klatschen und im Kreis tanzen, dass ihnen der Schweiß von der Stirn tropft. So haben die Kinder ihre Eltern schon lange nicht mehr gesehen. „Wir wollten etwas anbieten, was alle machen können. Und dazu gehört neben Essen und Gärtnern auch das Tanzen“, sagt Helga Arp. Sie ist die Gründerin des Interkulturellen Gartens, wo sich jeden Sonntag die Mitglieder treffen, um gemeinsam ihre Beete zu bepflanzen. Dort hatte der Tanzabend im vergangenen Jahr so großen Erfolg, dass er nun regelmäßig stattfinden soll.

„Was für 'ne Stimmung! Super gut so 'ne Party“, keucht Arne, der gerade mal Zeit hat, sich den Schuh zu zubinden, als die kurdischen Bewohner ihre Instrumente auspacken und lautstark zum nächsten Tanz aufspielen. Und Helga Arp hält sich die Ohren zu und lacht: „Das ist schon ziemlich abgefahren! Ihre Leser sollen doch selbst einmal herkommen und ein paar von den Flüchtlingen kennenlernen.“

Vereine suchen weiterhin Helfer

Tatsächlich suchen derzeit Vereine wie der Interkulturelle Garten als auch deren Kooperationspartner "Die Insel hilft" aus Wilhelmsburg händeringend nach Helfern, die ihre Zeit spenden und sich für die Flüchtlinge ehrenamtlich engagieren wollen. „Wir spielen ständig Feuerwehr“, sagt Diana Ennet, erste Vorsitzende von „Die Insel hilft“. Zwar könne sich Kleiderkammer an der Ottensweide vor Sachspenden kaum retten, doch blieben längerfristig engagierte Freiwillige zum Sortieren und Verteilen aus. Gerade weil der Verein die unzähligen Anfragen von Schulen, Kircheneinrichtungen, Politikern, Presse und Privatpersonen nicht vor den Kopf stoßen wolle, geraten die wenigen ständigen Mitarbeiter in Zeitnot. „Ich würde mir wünschen, das wir einfach mehr Schultern hätten, um die Arbeit zu verteilen. Denn umso mehr Leute wir sind, umso weniger muss der Einzelne tragen“, betont Diana Ennet. Schon zwei Stunden Engagement alle zwei Wochen würden dem Verein und damit auch den Flüchtlingen sehr helfen, sagt sie.

Obwohl sie schon lange nicht mehr im Flüchtlingsheim wohnen, sind Boz und Elif zusammen mit ihrer Tochter auch zum Tanzabend gekommen. Jetzt brauchen sie erst einmal eine Verschnaufpause. “Ich bin Mitglied des Interkulturellen Gartens und schon seit 15 Jahren in Deutschland“, sagt er und bittet um etwas zu Trinken. „Tanzen mag ich gerne, da kann man seine Probleme vergessen. Lachen und Bewegung ist gut. Ohne Tanzen leben wir nicht. Wir brauchen Musik! Denn immer nur arbeiten, das geht nicht!“

von Constanze Knothe

 

ein Kommentar zu Der Kurdamm tanzt

  • Helga  sagt:

    Zuviel der Ehre. Ich bin Gründungsmitglied des Interkulturellen Gartens, maße mir aber auf keinen Fall an, diesen gegründet zu haben. Da waren zahlreiche Menschen und Organisationen beteiligt. Ebenso waren an der Organisation der Tanzabende andere aktiv.

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