FAQ zu unseren Zielen: Hobby oder Kommerz?

Picto FAQ Hobby oder Kommerz

Lokalzeitungen rutschen in die Pleite, Redaktionen schrumpfen und Journalisten verlieren ihre Jobs – kein Wunder, dass wir immer wieder gefragt werden, wie WilhelmsburgOnline.de überhaupt überleben kann. Hier sind unsere Antworten. Und die Erklärung, warum wir immer noch an Anspruch und Qualität im Lokaljournalismus glauben.

 

Ist WilhelmsburgOnline.de ein Hobbyprojekt?

Nein. WilhelmsburgOnline.de ist ein professionelles Lokalmedium. Wir haben zwar viel Spaß an unserer Arbeit und verfolgen idealistische Ziele, aber wir betreiben WilhelmsburgOnline.de nicht aus Privatvergnügen. Journalismus ist unser Beruf und wir haben den Anspruch, von der Arbeit, die wir gelernt haben, auch leben zu können. Unsere Verantwortung als professionelle Journalisten nehmen wir ernst. Das heißt, wir geben uns auch dann Mühe, wenn es anstrengend, nervig oder unangenehm wird – weil gute Berichterstattung eben nur so funktioniert. Aus reiner Liebhaberei oder zum Zeitvertreib würden wir das nicht machen.

 

Was versteht ihr unter professionellem Journalismus?

Wir arbeiten nach den Regeln des Handwerks und halten uns an den Pressekodex. Das heißt, wir berichten unabhängig, fair und ausgewogen und trennen redaktionelle Arbeit und Werbegeschäft. Diese Standards gelten für alle, die an WilhelmsburgOnline.de mitarbeiten. Für unsere freien Redakteurinnen und Redakteure ist das ohnehin selbstverständlich, denn die meisten sind ausgebildete Journalisten, die eine redaktionelle Ausbildung, ein Studium oder eine Journalistenschule hinter sich haben. Berichterstattung in Text, Bild, Film oder Hörfunk ist ihr Beruf. Sie arbeiten nicht nur aus Überzeugung nach professionellen Standards, sondern auch, weil sie davon leben, gute Arbeit zu leisten. In der Redaktion von WilhelmsburgOnline.de kommen diese verschiedenen Kompetenzen zusammen. Wir tauschen Erfahrungen und bringen uns gegenseitig weiter. Auch Profis lernen nie aus.

 

Wie viel Arbeit macht WilhelmsburgOnline.de?

WilhelmsburgOnline.de ist mehr als ein Vollzeit-Job. Unsere Redakteurinnen und Redakteure recherchieren meist mehrere Stunden für einen Artikel, auch das Schreiben verlangt Sorgfalt und Zeit. Wir veröffentlichen keine Pressemitteilungen oder fertige Berichte, sondern gehen selbst raus, rufen an, fragen nach, schreiben, machen Fotos, drehen und schneiden unsere eigenen Filme und Hörbeiträge. Auch am Schreibtisch gibt es viel zu tun: Tag für Tag treffen etliche Mails in unserem Postfach ein, die beantwortet und bearbeitet werden müssen. Wir telefonieren mit Pressesprechern und Informanten, verabreden unsere nächsten Termine, schreiben den Newsletter, planen unsere Themen und pflegen Kontakt zu Menschen, die im Stadtteil etwas bewegen. Unsere hauptverantwortliche Redakteurin steckt in der Regel etwa 40 Stunden Arbeit pro Woche in WilhelmsburgOnline.de – wenn es möglich ist, denn nebenher muss auch sie noch anderswo Geld verdienen. In manchen Wochen sind es auch 60 Stunden oder mehr, denn auch am Wochenende passiert auf der Insel vieles, was in die Zeitung gehört. Zusätzlich investieren unsere freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Freizeit und Feierabendstunden für WilhelmsburgOnline.de. Und natürlich kümmern wir uns gemeinsam mit Fachleuten um die Technik, was ungezählte Stunden und eine Menge Energie in Anspruch nimmt.

 

Wie viel Geld verdient ihr mit WilhelmsburgOnline.de?

Exakt beziffern können wir das nicht, denn sowohl Einnahmen als auch Kosten schwanken. Insgesamt kommt zurzeit noch ein sehr geringer, dreistelliger Betrag pro Monat zusammen. Wir arbeiten daran, dass es mehr wird. Unsere Einnahmen setzen sich aus drei Teilen zusammen: Zum einen aus dem Geld, das unsere Werbekunden für ihre Anzeigen auf der Seite zahlen, zum anderen aus einem kleinen Anteil des Honorars, das wir aus unserer Kooperation mit Zeit Online beziehen. Der wichtigste Posten aber sind die Soli-Beiträge von Leserinnen und Lesern, die uns – mit monatlichen Beiträgen oder einmaligen Zuwendungen – freiwillig unterstützen.

 

Zahlt ihr Honorare?

Ja. Dank der Unterstützung von treuen Leserinnen und Lesern zahlen wir etwa zweieinhalb Jahre nach der Gründung von WilhelmsburgOnline.de unseren Freien erstmals Honorare für ihre Beiträge. Viel ist es jedoch nicht – und es wird dem Einsatz unserer Redakteurinnen und Redakteure bei Weitem noch nicht gerecht. Das macht uns nach wie vor zu schaffen. Trotzdem ist es uns wichtig, dass auch unsere freiwilligen Mitstreiter etwas davon haben, wenn ein bisschen Geld in die Kasse kommt.

 

Welche Kosten verursacht WilhelmsburgOnline.de?

Da wir keine Druckkosten haben und sehr viel aus eigener Hand machen, sind die Produktionskosten von WilhelmsburgOnline.de zum Glück sehr gering – jedenfalls solange wir unsere eigene Arbeitsleistung nicht in Rechnung stellen. Einen wesentlichen Anteil daran haben auch die Technikerinnen und Techniker, die uns bei Fragen und größeren Projekten ehrenamtlich unterstützen. Ohne ihre Hilfe könnte WilhelmsburgOnline.de gar nicht existieren. Dennoch muss Geld aufgewendet werden – für Servergebühren, Software, aber auch für Bus- und Bahntickets, Fortbildungen oder neue Geräte und Arbeits- und Werbematerial. Zudem muss das, was WilhelmsburgOnline.de erwirtschaftet, auch beim Finanzamt versteuert werden.

 

Warum lasst ihr eure Arbeit nicht fördern?

Der Gedanke ist naheliegend – viele Projekte, die der Allgemeinheit zugute kommen, werden bezuschusst oder aus öffentlichen Töpfen gefördert. Bei Journalismus ist das jedoch schwierig: Die Freiheit und Unabhängigkeit der Presse lässt es nicht zu, dass redaktionelle Berichterstattung von Stadt, Staat oder Lobbyverbänden finanziert wird. Selbst da, wo es rechtlich erlaubt wäre, hätten wir ein Problem: Unsere Glaubwürdigkeit stünde auf dem Spiel. Denn wer würde schon davon ausgehen, dass wir uns mit dem Bezirksamt anlegen oder den Beirat kritisch unter die Lupe nehmen, wenn wir von ihrem Geld und Wohlwollen abhängig wären? Auch wenn WilhelmsburgOnline.de dafür bekannt ist, eben keine Hofberichterstattung zu bringen – wir würden Zweifel schüren, die uns am Ende schaden. Das Vertrauen einer kritischen Leserschaft ist unser höchstes Gut. Das setzen wir nicht aufs Spiel.

 

Warum sucht ihr euch keinen reichen Sponsor?

Sponsoren schließen Deals ab: Geld für Aufmerksamkeit. Auch wenn sie Projekte fördern, die ihnen auf den ersten Blick keinen finanziellen Vorteil bringen, und auch wenn Sponsoring sich oft sehr sozial und wohltätig auswirkt, bleibt es ein Geschäft. Was Sponsoren von Redaktionen wollen könnten, liegt auf der Hand: Selbst im klassischen Anzeigengeschäft, das Werbung und Berichterstattung strikt trennen sollte, erhoffen sich viele Firmen und Verbände Gefälligkeiten und wohlwollende Beiträge. Für WilhelmsburgOnline.de kommen solche Deals nicht infrage – unsere redaktionelle Arbeit ist und bleibt unabhängig. Unsere Leserinnen und Leser müssen darauf vertrauen können, dass wir ausschließlich über Dinge berichten, die wir nach kritischer, fachkundiger Prüfung für wichtig, relevant und interessant halten. Doch es würde uns schwer fallen, diesen Grundsatz glaubhaft zu vermitteln, wenn unsere Existenz vom Geld eines Sponsors abhängen würde. Insofern gilt dasselbe wie bei der Frage, warum wir unsere Berichterstattung nicht öffentlich fördern lassen: Das Vertrauen unserer Leser ist uns wichtiger.

 

Warum macht ihr das überhaupt?

Wilhelmsburg hat kritische, unabhängige Presse verdient – und bekommt sie immer seltener. Viele etablierte Lokalmedien begnügen sich damit, das Geschehen auf der Insel einfach abzubilden. Sie schauen nicht genau genug hin, sie haken nicht nach und stellen keine kritischen Fragen. Auch wie die Menschen im Stadtteil denken und fühlen, spielt für sie oft keine Rolle. Im schlimmsten Fall lassen sie sich kaufen oder bejubeln die Mächtigen, statt ihnen auf die Finger zu sehen und zu warnen, wo es nötig ist.

WilhelmsburgOnline.de hat den Anspruch, es besser zu machen. Wir halten gute, unabhängige Information für ein Grundrecht, ohne das eine freie demokratische Gesellschaft nicht funktionieren kann. Außerdem liegt Wilhelmsburg mit seinen vielen verschiedenen Menschen uns eben sehr am Herzen – deshalb ist uns ein funktionierendes Zusammenleben hier besonders wichtig.


 

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