Dratelnstraße: Holzhäuser gegen die Winterkälte

Flüchtlingsunterkunft Dratelnstraße 3 (large)

Die Zelte in der Flüchtlingsunterkunft Dratelnstraße II werden durch provisorische Bauten aus Holz ersetzt – so lautet der neue Plan, den die Wilhelmsburger Politikerin Kesbana Klein heute Abend in der Bezirksversammlung verkündete. Die Männer, Frauen und Kinder sollen warm und trocken durch den Winter kommen.

Die Zusage sei ganz frisch und komme von oberster Stelle, gab die SPD-Politikerin bekannt. Sie habe vor wenigen Stunden mit Bernd Krösser, dem Staatsrat der Innenbehörde, gesprochen. Der habe ihr versichert: Statt der Zelte sollen Holzhäuser an der Dratelnstraße aufgestellt werden. Schon in der kommenden Woche sollen die Bauarbeiten starten. „Und sollte das aus irgendwelchen Gründen nicht passieren, dann kommen die Menschen in feste Unterkünfte“, sagte die Wilhelmsburgerin. In einer ausführlichen Ansprache schilderte sie den Ernst der Lage. Der nahende Winter liegt in der Luft, es gab bereits Frost. Mehr als die Hälfte der Zelte war vor zwei Tagen, nach dem Kälteeinbruch, noch immer unbeheizt – auch wenn provisorische Heizungen offenbar schon geliefert wurden. „Die Menschen können sich von ihren Krankheiten nicht erholen. Das ist Gefahr für Leib und Leben“, sagte Kesbana Klein.

In einem Eilantrag forderte die SPD-Fraktion: Die Menschen müssen sofort in winterfeste, beheizte Unterkünfte gebracht werden, die Kranken sollen ärztliche Hilfe bekommen. Und die Zelte müssen weg – so schnell wie möglich. Einstimmig nahmen die Politikerinnen und Politiker der Bezirksversammlung den Eilantrag an.

„Zelte ja – Zelte nein, Heizung rein – Heizung raus. Wir wissen gar nichts“

Damit stehen die Zeichen nun vorerst wieder auf Hoffnung. Erst gestern hatten die Worte von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die Sorge vor eisigen Tagen und Nächten unterm Zeltdach wieder aufkommen lassen. „Wir alle wissen, dass es in Hamburg wie überall in Deutschland so sein wird, dass es auch im Winter Zelte geben wird“, sagte er in seiner Regierungserklärung vor der Bürgerschaft am Mittwoch.

Auch in Wilhelmsburg sind seitdem viele verunsichert. Helferinnen und Helfer blicken dem Winter an der Dratelnstraße ratlos entgegen. Das berichtete auch Diana Ennet, Vorsitzende des Vereins Die Insel Hilft, vor rund zwei Wochen im Bürgerhaus. „Die vielen Menschen, die mit uns arbeiten, erfahren viele Gerüchte: Da kommt was hin – da wird was abgerissen, Zelte ja – Zelte nein, Heizung rein – Heizung raus. Wir wissen gar nichts“, sagte sie beim „Pegelstand“ zum Thema Wohnungsnot. Bezirksamtschef Andy Grote konnte zur Beruhigung zumindest einen Plan bekanntgeben: „Wir haben entschieden, dass die Zelte in der Dratelnstraße durch Container ersetzt werden“, sagte er. Doch wann genau das geschehen sollte, konnte der Bezirksamtschef nicht versprechen. In ganz Europa gebe es Engpässe bei der Lieferung neuer Container, sagte er.

Leerstehender Elektronik-Markt als Zwischenstation

Jetzt gibt es für die Flüchtlinge an der Dratelnstraße einen neuen Plan: In den nächsten Tagen soll die Mehrheit der bisher in Zelten untergebrachten Menschen, idealerweise alle, vorübergehend in einen leerstehenden Elektronik-Markt an der Kieler Straße in Eimsbüttel umziehen. So erläuterte es Bezirksamtschef Andy Grote am Donnerstagabend im Gespräch mit WilhelmsburgOnline.de. Die frei werdenden Zelte sollen noch stehen bleiben, um am Wochenende neu eintreffende Flüchtlinge aufnehmen zu können. „Wir können nun mal auf keinen Platz verzichten“, erklärte Andy Grote. In der kommenden Woche aber soll der Bau der Holzunterkünfte beginnen. Das bestätigte der Bezirksamtsschef und fügte hinzu: Schon heute Nacht sollen in den Zelten zumindest alle Heizungen laufen.

von Annabel Trautwein

 

Anmerkung der Redaktion:

Üblicherweise haken wir in solchen Fällen nach: Bestätigt der Staatsrat, was in der Bezirksversammlung versprochen wurde? Weiß Fördern und Wohnen als Betreiber der Unterkunft Bescheid? Wegen der späten Stunde konnten wir uns diesmal jedoch nicht sofort vergewissern. Trotzdem wollen wir über dieses wichtige Thema aktuell berichten. Wir fragen schnellstmöglich bei den beiden Stellen nach und ergänzen die entsprechenden Stellungnahmen, sobald wir eine Antwort haben.

Stellungnahme vom Staatsrat:

Wir haben eine Antwort von Bernd Krösser, dem Staatsrat der Innenbehörde: Er bestätigt, dass in der kommenden Woche der Bau von Holzhäusern an der Dratelnstraße starten soll. Dass andernfalls alle Menschen aus den Zelten umgehend in feste Unterkünfte kommen, habe die Innenbehörde so aber nicht gesagt. Fördern und Wohnen verwies uns an die Innenbehörde, weil dort die Entscheidungen getroffen werden. Eine eigene Stellungnahme wollten die Betreiber der Zentralen Erstaufnahme Dratelnstraße II deshalb nicht abgeben.

Wir warten nun noch auf eine Rückmeldung zu der Frage, ob inzwischen alle Heizungen in den Zelten funktionieren.

Stellungnahme von Fördern und Wohnen:

Auch die Betreiber der Unterkunft haben sich nun gemeldet: "Alle Zelte sind beiheizbar, haben also alle ein Gerät, und die Geräte laufen auch", sagte uns die Presseassistentin von Fördern und Wohnen.

 

 

 

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