Politischer Vortrag: Leben in der Septemberdiktatur

Marco Moreno am Ufer des Veringkanals

Das Turtur öffnet sich am Sonntag, 17. Januar, ab 19 Uhr für einen besonderen Abend: Wo sonst getanzt wird, findet in Zusammenarbeit mit dem Infoladen Wilhelmsburg und dem Wilhelmsburger Marco Moreno eine politische Veranstaltung statt. Der türkische Dokumentarfilmer Cahit Akçam berichtet aus der sogenannten Septemberdiktatur 1980 und zeigt seinen Film über diese Zeit. Der Eintritt ist frei.

Als Septemberdiktatur wird die Zeit nach dem Militärputsch im September 1980 in der Türkei bezeichnet. Die nach dem Putsch errichtete Militärdiktatur verbreitete Angst und Schrecken, die Machthaber verhafteten und verurteilten Hunderttausende Oppositionelle und schreckten vor Folter nicht zurück. Mehrere Hundert Menschen wurden hingerichtet, viele starben an den Folgen der Folter. Cahit Akçam war einer dieser Oppositionellen. Er erzählt nicht nur von seinen Erfahrungen, sondern zeigt seinen Dokumentarfilm zu den historischen Ereignissen.

Viele Türken in Wilhelmsburg persönlich betroffen

In Wilhelmsburg und auch im restlichen Hamburg leben viele Türken, die auf Flucht vor der Militärdiktatur nach Deutschland und nach Hamburg kamen oder deren Verwandte die Schreckenszeit miterleben mussten. Deren Interesse an dem heutigen Termin ist dementsprechend besonders groß, berichtet Marco Moreno. Allerdings sei die Veranstaltung nicht nur historisch ausgerichtet. „Der Abend wird grob zweigeteilt sein“, erklärt er. „In der ersten Stunde befassen wir uns mit der Septemberdiktatur, nach einer Pause soll es dann im Gespräch mit dem Publikum um die aktuelle Lage in der Türkei gehen.“

Der Name Cahit Akçam klingt schon für viele in Wilhelmsburg bekannt: nach seinem Vater Dursun, der nach dem Militärputsch nach Deutschland migrierte, wurde vergangenes Jahr der Uferweg am Veringkanal benannt. „So kam auch der Kontakt und die Idee zu der Veranstaltung zustande“, erzählt Marco Moreno. „Als ich zu den Recherchen über Dursun Akçam den Lebenslauf seines jüngsten Sohnes Cahit fand, wusste ich sofort, dass ich ihn für eine Veranstaltung nach Hamburg holen möchte.“ So lud er den Filmemacher ein – mit Erfolg. „Und bei der Gelegenheit“, sagt Marco Moreno vergnügt, „kann er gleich den nach seinem Vater benannten Spazierweg besuchen.“

von Sarah Kraaz

 

Auf einen Blick:

"Mein Leben mit der Septemberdiktatur" am Sonntag, 17. Januar, ab 19 Uhr im Turtur. Eintritt frei.

 

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