Literatur von nebenan: Kurzgeschichten-Projekt startet

Jörg Ehrnsberger bei der Freiluft-Schreiberei (Large)

Die Elbinseln stecken voller Geschichten – beim Kurzgeschichten-Projekt „Wörter an die Macht“ sollen sie zu Papier gebracht werden. Das Zeug dazu haben alle, die gern erzählen, sagt der Wilhelmsburger Schriftsteller Jörg Ehrnsberger. Bei einem Schreibkurs auf einem Hausboot im Spreehafen wollen er und sein Mitstreiter Thorsten Stegemann zeigen, wie aus Geistesblitzen und Erlebnissen spannende Kurzgeschichten entstehen. Die literarischen Ergebnisse aus dem Kurs sollen später als eigenes Buch erscheinen. Auch WilhelmsburgOnline.de will einige der Werke veröffentlichen. Denn bei „Wörter an die Macht“ kommt die Insel selbst zu Wort – mit all ihren Facetten und Kontrasten.

Wer mitmachen will, braucht vor allem eins: Lust am Erzählen. Ein bisschen Sprachgefühl könne dabei nicht schaden, findet Jörg Ehrnsberger. „Es ist aber auch nicht schlimm, wenn man die deutsche Sprache nicht perfekt beherrscht“, sagt er. Eine gute Kurzgeschichte lebe schließlich nicht von der Grammatik, sondern vom Gefühl und von der Lust an Sprache, von packenden Bildern und einer Stimmung, die zwischen den Zeilen mitschwingt. Wie das gelingt, wollen Jörg Ehrnsberger und Thorsten Stegemann bei einem Schreibkurs auf dem Bauhüttenschiff „Fried“ im Spreehafen erklären. Der Schriftsteller aus Wilhelmsburg ist überzeugt: „Kurzgeschichten sind machbar, auch für Anfänger.“

Jörg Ehrnsberger spricht aus Erfahrung. Er und sein Partner Thorsten Stegemann haben schon in vielen Projekten schreibfreudigen Menschen beigebracht, die Eigenheiten ihrer Heimat als Kurzgeschichten zu Papier zu bringen. Nun sollen Wilhelmsburg und die Veddel zu Wort kommen – ein besonders reizvolles Projekt, findet Jörg Ehrnsberger. Denn wer von außen auf die Elbinseln schaue, sehe meist nur die Klischees: den Szenestadtteil der Zukunft auf der einen Seite, das Problemviertel auf der anderen. „Das echte Leben findet aber dazwischen statt“, sagt Jörg Ehrnsberger. In seiner Wilhelmsburger Nachbarschaft treffe er täglich Menschen, die im Alltag kaum etwas gemeinsam haben und sich trotzdem auf Augenhöhe begegnen. So soll es auch beim Projekt „Wörter an die Macht“ sein. „Richtig ist hier, wer Lust hat, seine Sicht der Dinge mal darzustellen“, sagt Jörg Ehrnsberger.

Grundsätzlich ist die Kurzgeschichten-Werkstatt für alle offen, die auf den Elbinseln leben oder gelebt haben und mindestens 18 Jahre alt sind. Um den Kurs überschaubar zu halten und eine gute Mischung an Autorinnen und Autoren hinzubekommen, wollen die Macher entscheiden, wer dabei sein kann. Jörg Ehrnsberger wünscht sich vor allem Menschen, deren Beitrag zur Inselgesellschaft bisher kaum wahrgenommen wird. Wie lange sie schon im Stadtteil leben, soll dabei keine Rolle spielen. „Natürlich ist die Sichtweise von jemandem, der seit drei Monaten hier wohnt, eine andere als die von Leuten, die seit dreißig Jahren hier wohnen“, sagt er. „Aber wahr ist sie genauso.“

Mit ihrem Schreibprojekt greifen Jörg Ehrnsberger und Thorsten Stegemann eine alte Idee wieder auf: Schon in den Jahren 2009 bis 2011 gab es eine Werkstatt mit dem Namen „Wörter an die Macht“, bei dem Schüler von den Elbinseln gemeinsam mit dem Autor Michael Seufert ein Buch schrieben. Edmund Siemers, der Ideengeber von damals, ist diesmal als Unterstützer im Förderwerk Elbinseln dabei. Auch ein Buch soll es wieder geben, in dem alle Geschichten abgedruckt werden. Zudem soll eine Auswahl im Wilhelmsburger Inselrundblick und auf WilhelmsburgOnline.de erscheinen. Bei der 11. Wilhelmsburger Lesewoche im November werden die Kurzgeschichten auch zu hören sein.

Starten soll die kreative Arbeit am Wochenende vom 27. bis zum 29. Juni. Dann treffen sich alle Teilnehmer von „Wörter an die Macht“ auf dem Bauhüttenschiff „Fried“ im Spreehafen. Tipps und Tricks erfahren die Schreiber auch in Einzelgesprächen in den Wilhelmsburger Zinnwerken. Für Juli ist eine gemeinsame Barkassenfahrt geplant, auf der die Autorinnen und Autoren sich über ihre Texte austauschen und weitere Ideen sammeln können. Den letzten Schliff bekommen die Kurzgeschichten nach einem Gruppentreffen am 2. August. Zu diesem Termin sind wieder alle Teilnehmer gefragt, sagt Jörg Ehrnsberger. Schließlich sollen die Geschichten in Bestform zu Papier gebracht werden – als Zeugnisse des echten, unverfälschten Lebens auf den Elbinseln.

 

von Annabel Trautwein

Foto Bauhüttenschiff: © Jim Gramming

 

Mehr Infos:

Wo kann ich mich bewerben? Wann sind die Termine? Welche Idee steht hinter „Wörter an die Macht“? Antworten dazu gibt es auf der Internetseite des Projekts.

 

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