Pegelstand zur IBA: Wohnen in Wilhelmsburg

Das Weltquartier gilt als IBA-Vorzeigeprojekt - doch nur 40 Prozent sind zurückgekehrt

„Die IBA hat nicht das gebracht, was sie hätte bringen können.“ Claudia Roszak ging beim Thema Wohnen mit der IBA hart ins Gericht. Das Team habe sich zu schnell von der Hafengesellschaft HPA und von der Wirtschaft die Butter vom Brot nehmen lassen und sich aus den umstrittenen Randzonen zwischen Hafen und Stadt zurückgezogen. Besser wäre es gewesen, wenn die IBA sich öffentlich dagegen gewehrt hätte, sagte Claudia Roszak. Am Ende stehe Wilhelmsburg wieder alleine da – für die Belange der Insel setze sich weder der Senat noch der Bezirk besonders ein. Im Interesse der Menschen im Stadtteil sei dagegen ein inklusives Wohnungsbau-Konzept, wie es die Arbeitsgruppe zum Thema Wohnen im Rahmen des Beteiligungsverfahrens „Perspektiven!“ erarbeitet habe. Von IBA-Chef Uli Hellweg wollte sie wissen, was genau die Nachfolgegesellschaft nun auf Grundlage ihres neuen Auftrags bearbeite und ob sie als Anwohnerin im südlichen Reiherstiegviertel künftig mit Gewerbe am Haulander Weg zu rechnen habe.

Diese Kritik ließ Uli Hellweg nicht auf sich sitzen. „Die IBA hat immer gesagt: Es geht nicht um das Entweder-Oder. Das Entweder-Oder hat euch 30 Jahre lang in die Schützengräben getrieben und was ist dabei rausgekommen? Gar nichts“, gab er zurück. Nun laufe der Verein Gefahr, die alten Fehler zu wiederholen. Statt mit Presseerklärungen etwa gegen Industriebetriebe und Logistikfirmen Front zu machen, die ihrerseits Arbeitsplätze auch für geringer Qualifizierte oder Arbeitsmigranten schaffen könnten, müssten Lösungen für ein konstruktives Miteinander gefunden werden. Die IBA habe nie zum Ziel gehabt, Firmen und Fabriken aus dem Hafenrand zu drängen. „Das sind nicht unsere Feinde“, erklärte Hellweg. Wenn die alten Feindseligkeiten sich wieder Bahn brächen – dann wäre die IBA in einem wichtigen Punkt gescheitert.

Kritik: Bürger sitzen immer am kürzeren Hebel

Den Vorwurf, in alter Gegnerschaft zu erstarren, wollten sich viele im Publikum nicht gefallen lassen. Es seien ja Kompromisse zustande gekommen, wendete der Vorsitzende des Stadtteilbeirats Lutz Cassel ein. Erst als sich abzeichnete, dass die Hafenwirtschaft diese Errungenschaften wieder zunichte machen würde, seien alte Konflikte wieder aufgeflammt. Andere wendeten ein, dass Gespräche mit Hafenwirtschaft und Behörden erfahrungsgemäß nie in einem ausgewogenen Kräfteverhältnis verliefen. Die Bürger könnten sich schlicht nicht darauf verlassen, dass die andere Seite mit offenen Karten spiele.

(atw)