Alle auf einem Fleck: Initiativen und Vereine

Tafel Wilhelmsburg

Wilhelmsburg lebt. Es lebt vor allem durch seine Menschen und deren Projekte, die sich in den verschiedensten Vereinen und Initiativen zusammen finden. Diese hatten heute Gelegenheit, sich zu präsentieren: im Bürgerhaus Wilhelmsburg fand der “Markt der Initiativen und Vereine” statt. Knapp 30 Stände-Anmeldungen gab es. „Wir sind sehr zufrieden“, berichtet Hannah van Riel vom Bürgerhaus, die die Veranstaltung im Rahmen des Projektes „Perspektiven! Miteinander planen für die Elbinseln“ betreute. „Der Marktplatz fand schon 2012 statt. Heute sind wieder alle interessierten Wilhelmsburger eingeladen.“

Das Konzept funktioniert. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger streiften am Nachmittag durch die vielen liebevoll gestalteten Stände, die verschiedener nicht sein könnten. Ein Tisch der Muradiye-Moschee in der Eckermannstraße beeindruckt mit Bergen von selbstgemachten Köstlichkeiten, Marco Moreno ist mit seinem Projekt zum Wanderweg am Veringkanal dabei, und die Wanderrudergesellschaft “Die Wikinger” fordert mit einer Rudermaschine das Publikum heraus. Soziale Projekte wie das Westend wechseln sich ab mit Kunstinitiativen wie dem Atelierhaus 23.

Die gut miteinander vernetzten Aussteller begrüßen sich mit lauten Hallo, es ist trubelig und fröhlich. Überall werden Gespräche mit Wilhelmsburgern geführt, es wird informiert und gelacht – die als Lockmittel eingesetzten Kekse einiger Initiativen sind gar nicht nötig. Ein besonderer Publikumsmagnet ist der DLRG-Stand, der mit knallroten Einsatzuniformen, einer Reanimationspuppe und einem lebensgroßen Plüsch-Maskottchen punkten kann. Aber nicht nur die Optik ist interessant. „Viele wissen gar nicht, dass es uns in Wilhelmsburg gibt“, erzählt Michael Habeck, Leiter Einsatz beim Landesverband Hamburg-Harburg. „Unser Hauptsitz ist am Finkenrieder Hauptdeich. Ja, Baywatch von Wilhelmsburg, das hat auch schon das Hamburger Abendblatt geschrieben – das passt wahrscheinlich!“ sagt er schmunzelnd. „Aber eigentlich wollen wir die Menschen nicht retten müssen, wir wollen, dass sie schwimmen lernen. In den Schulen wird der Schwimmunterricht nämlich oft als erstes gestrichen, wenn es Unterrichtsausfall gibt.“ Deshalb bietet der DLRG neben seinen klassischen Aufgaben wie die Ausbildung von Rettungsschwimmern günstige Schwimmkurse an, bei denen Kinder zum Beispiel das Seepferdchen machen können.

Ein paar Stände weiter präsentiert sich die Wilhelmsburger Tafel. Wohl jeder in Wilhelmsburg kennt die langen Schlangen bei der Lebensmittelausgabe gegenüber vom Stübenplatz vor dem Alten Deichhaus. Sille und Gundi präsentieren hier ihren Verein mit knackigem Obst, Tulpen und Milchprodukten – alles Spenden aus den Supermärkten der Umgebung. „Wir wollen zeigen, dass es bei der Tafel eben nicht nur Matsche-Essen und abgelaufene Ware gibt, sondern wirklich gute, menschenwürdige Sachen. Außerdem wollen wir hier die anderen Initiativen auf der Insel kennenlernen, das ist schon sehr interessant für uns.“ Beide hoffen, dass durch den Stand im Bürgerhaus ein wenig mehr Aufmerksamkeit auf die Tafel gelenkt wird. Das Projekt koordiniert die gesamte Spenden-Logistik der Tafel auf der Insel, von den Supermärkten zu den Ausgabestellen bis hin zu den Kunden – hauptsächlich mit Hilfe von Spenden und ehrenamtlichen Helfern, an denen immer Bedarf besteht.

Hilfe für Eltern in Zeitnot

Niedliche Babys und fröhliche Familien auf Plakatwänden locken zum nächsten Stand: Hier stellt Koordiantorin Jennifer Appelt das Projekt wellcome vor. Bei diesem Projekt geht es um praktische Hilfe für Familien, die nach der Geburt eines Kindes an ihre Grenzen stoßen. Sie können sich bei der Initiative melden, die dann eine ehrenamtliche Person vermittelt, um den Eltern etwas Luft zu verschaffen. So wird etwa das Baby für zwei Stunden der Helferin übergeben, während die Mama endlich einmal ein Nickerchen machen, in Ruhe duschen oder einkaufen gehen kann. „Wir suchen immer zusätzliche Ehrenamtliche, zur Zeit sind bei uns nur vier Leute aktiv in Wilhelmsburg“, berichtet Jennifer Appelt. „Absagen musste ich zum Glück noch keiner Familie, aber wir sind immer so gerade an der Grenze.“ Ein fröhliches Baby-Quaken unterbricht sie. Chiara, inzwischen sechs Monate alt, und ihre Eltern sind zu Besuch am Stand – auch sie hatten Hilfe von wellcome in Anspruch genommen und sind begeistert von dem Projekt.

Eine Ansage ertönt auf der Bühne – der Chor Kanal&Lieder hat seinen Auftritt. Auch er ist mit einem Stand vertreten. Die Mitglieder bezeichnen sich als Nachbarschaftschor und proben ihre Stücke aus allen Genres jeden Montag auf dem Veringkanal. Ja, AUF dem Kanal, versichert Katharina Irion, die im Tenor singt. Die Proben finden auf dem roten Hausboot hinter der Honigfabrik statt. Etwa 25 Sängerinnen und Sänger, letztere deutlich in der Unterzahl und besonders dringend gesucht, geben hier jede Woche alles und haben vor allem viel Spaß, unter anderem bei den öffentlichen Karaoke-Abenden in Meikes Wunderbar. Dabei soll es nicht bleiben: Geplant ist eine Kneipentour im Frühjahr mit Auftritten durch Wilhelmsburger Lokalitäten. Doch nicht nur im Chor tritt Katharina Irion heute auf, sie leitet außerdem das Senioren-Theaterprojekt mit der Themen-Collage „Es ist, was es ist, sagt die Liebe“, das um 17 Uhr seinen Auftritt auf der Bühne des großen Saales hat.

Mit diesem Auftritt findet sich ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Tag. Alle Beteiligten können zufrieden in die verschneite Dämmerung nach Hause aufbrechen. Wer nach neuen Möglichkeiten in Wilhelmsburg gesucht hat, um sich zu engagieren oder neue Ideen für die Freizeit in der Nachbarschaft zu entdecken, ist fündig geworden. Und Wilhelmsburg hat einmal mehr seine Vielfalt unter Beweis gestellt.

von Sarah Kraaz

 

2 Kommentare zu Alle auf einem Fleck: Initiativen und Vereine

  • H. van Riel  sagt:

    Auch 2012 war der Initiativentag öffentlich! Der Unterschied zum "Marktplatz der Initiativen und Vereine" bestand darin, den Fokus auf die Bürgerinnen und Bürger der Elbinseln zu richten. Der Tag sollte sowohl zum gegenseitigen Kennenlernen, als auch zum Bekannt machen des Angebots auf den Elbinseln genutzt werden.

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