WilhelmsburgOnline.de sagt Lebewohl

Das Ende

Schweren Herzens geben wir das Ende der Redaktionsarbeit an WilhelmsburgOnline.de bekannt. Die Entscheidung fällt uns nicht leicht, denn wir sind weiterhin davon überzeugt, dass unser Stadtteil guten, kritischen und professionellen Lokaljournalismus braucht. Immer wieder haben uns Leserinnen und Leser gesagt und gezeigt, wie sehr sie WilhelmsburgOnline.de schätzen. Ein riesiger Dank geht deshalb an alle, die uns all die Jahre treu verbunden waren.

Mit unserem Soli-Modell wollten wir die Zukunft von WilhelmsburgOnline.de sichern. Wir hofften, dass genug Leute sich anschließen und unsere Arbeit soweit mittragen, dass wir sie nicht alleine querfinanzieren müssen. Denn so ist es lange Zeit gelaufen: Das Geld, das wir zum Leben brauchen, aber auch Investitionen in die Redaktion von WilhelmsburgOnline.de mussten wir in anderen, zusätzlichen Jobs erwirtschaften. Im Alltag bedeutete das, dass wir tagsüber oft mehr Recherchetermine im Kalender hatten, als in einen normalen Arbeitstag passt, danach häufig bis spät in die Nacht Texte schreiben und Beiträge produzierten und auch am Wochenende selten frei hatten. Nach mehr als drei Jahren Einsatz merken wir: Auf Dauer geht das nicht gut.

Lokale Onlinezeitungen brauchen eine solidarische Leserschaft

Viele lokale Onlinemedien in Deutschland kämpfen ums Überleben – davon konnten wir uns bei der Fachtagung „Challenge accepted!“ der bpb, die unsere Chefredakteurin Annabel Trautwein mit organisiert hat, ein Bild machen. Immer wieder werden neue Finanzierungsmodelle erprobt. Dabei ist allen klar: Ohne eine Beteiligung von Leserinnen und Lesern wird es kaum ein Medium schaffen. Für uns schien ein solidarisches Beitragsmodell die perfekte Lösung – jeder und jede sollte selbst bestimmen können, wann und wie viel er oder sie für den Fortbestand von WilhelmsburgOnline.de beisteuert. Denn wir wissen, dass gerade in Wilhelmsburg viele Menschen mit sehr wenig Geld auskommen müssen. Eine Bezahlschranke, die bestimmte Nachrichten erst nach Zahlung eines festen Betrags zugänglich macht, kommt für uns nicht infrage. Auch wenn der Preis für einige Peanuts wäre – für andere wäre es viel Geld. Wir hätten zu oft diejenigen ausschließen müssen, die uns als Leserinnen und Leser gerade wichtig sind.

Am Ende hat es nicht gereicht. Unser Soli-Modell hat leider nicht genug Menschen dazu bewogen, unsere Arbeit zu unterstützen. Diejenigen, die dabei waren, haben uns dennoch einen wichtigen Erfolg beschert: Wir konnten ein bescheidendes Honorar für unsere freien Mitarbeiter einführen – zumindest eine kleine Anerkennung für die vielen Stunden Freizeit, die sie für Recherche und Produktion ihrer Beiträge aufgebracht haben. Ein großer Dank geht daher an alle, die uns mit kleinen oder größeren Soli-Beiträgen unterstützt haben. Auch danken wir allen, die uns als Werbeträger vertraut und eine Anzeige bei uns gebucht haben. Ohne die Solidarität unserer Unterstützer und das Vertrauen unserer Werbekunden hätten wir nie so lange durchgehalten.

Großer Dank an unser Team

Der größte Dank aber gilt den vielen engagierten Medienmachern, die die Redaktion von WilhelmsburgOnline.de als Profis oder lernfreudige Laien mit Beiträgen unterstützt haben: Unserem Filmer Klaus Schmidt für Einfallsreichtum beim Drehen und Ausdauer vor dem Schnittcomputer, unserem Sportredakteur Michael Keller für professionelle Spielberichterstattung und viele gute Beiträge über das Sportressort hinaus. Constanze Knothe für ihren Feuereifer, mit dem sie uns von einem Tag auf den nächsten mit vielen guten Beiträgen versorgte. Sarah Kraaz und Birte Burgänger bereicherten unsere Redaktion mit ihrem wachen Blick auf den Stadtteil und ihre Umtriebigkeit, die uns immer wieder neue Perspektiven beschert hat. Janina Jankowski und Anna Heidelberg-Stein danken wir für ihren professionellen Spürsinn für gute Themen, ihr Gefühl für lokale Eigenheiten und souveräne Schreibe. Lisa-Marie Eckardt verdanken wir Einblick in Themen, denen viele Wilhelmsburger sonst ratlos gegenüberstehen – ihre Zähigkeit bei der Recherche hat uns wichtige Antworten geliefert. Naima Limdighri bereicherte WilhelmsburgOnline.de um ein neues Format: professionell produzierte Hörstücke, die unsere Berichterstattung noch lebendiger machen. Einige unserer besten Bilder stammen von Markus Huth, und Katharina Langer danken wir dafür, dass sie Willy, dem Maskottchen unserer Kinderbeiträge, Gestalt gegeben hat. Ein besonders großer Dank gilt Sven Trogus und Barbara Ross – ohne ihre Expertise und die Fachkenntnis, mit der sie WilhelmsburgOnline.de eingerichtet, gestaltet und technisch unterstützt haben, wäre unser Medium gar nicht erst entstanden.

Unser Geschenk an den Stadtteil

Fast 500 Beiträge haben wir über die Jahre veröffentlicht – Texte und Fotos, Filme und Audiobeiträge, in besten Zeiten jeden zweiten Tag etwas Neues. Wir haben das Bezirksamt in die Mangel genommen und wichtige Argumente geliefert, mit denen engagierte Menschen im Stadtteil ihm Kompromisse abringen konnten. Nach Wahlen haben wir seitenweise Zahlen und Daten ausgewertet, um als einziges Medium der Stadt zeigen zu können, wie Wilhelmsburg abgestimmt hat. Wir haben Ecken unserer Stadtteilgesellschaft ausgeleuchtet, in die viele nicht zu schauen wagen. Und bei den zahlreichen Kulturfesten und nachbarschaftlichen Initiativen des Stadtteils waren wir live dabei – zuletzt beim Ticker zum Musikfestival 48h Wilhelmsburg, dem großen Finale unserer Berichterstattung. All diese Beiträge bleiben weiterhin für euch im Netz. Lasst eure Erinnerungen Revue passieren, lest Fakten nach, nutzt die Seite als Archiv über mehr als drei Jahre aufregendes, aufreibendes Stadtteilleben. Die Früchte unserer Arbeit an WilhelmsburgOnline.de sind unser Geschenk an die Elbinsel.

Für mich als Gründerin von WilhelmsburgOnline.de ist und bleibt Wilhelmsburg die schönste und interessanteste Ecke der Stadt. Auch als Journalistin für andere Medien werde ich immer wieder von der Insel und über die Insel berichten – weiterhin gut, kritisch und professionell. Den Geist von WilhelmsburgOnline.de halte ich dabei hoch: Nachfragen bei den Menschen im Stadtteil, genau hinschauen und nicht von oben herab darüber urteilen, was diesen Stadtteil und seine Leute angeblich ausmacht. Wilhelmsburg hat Berichterstattung auf Augenhöhe verdient. Ich werde weiterhin dafür einstehen.

von Annabel Trautwein

 

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