St. Maximilian-Kolbe-Kirche soll abgerissen werden

Die katholische Kirche St. Maximilian Kolbe ist ein Denkmal - trotzdem soll sie verschwinden

Die als Denkmal geschützte St. Maximilian-Kolbe-Kirche an der Krieterstraße soll abgerissen werden. So sehen es die Pläne der katholischen Pfarrgemeinde in Wilhelmsburg vor. Mit dem Abriss will sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen könnte sie so Sanierungskosten sparen. Zum anderen soll auf der Fläche mehr Platz für das Alten- und Pflegeheim nebenan entstehen. Doch bevor die Bagger dem markanten Sakralbau aus den 70er Jahren entgegen rollen, ist noch einiges zu klären.

Leicht mache es sich die Kirchengemeinde St. Bonifatius mit St. Maximilian Kolbe nicht, versichert Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums Hamburg. „Es ist immer ein schmerzlicher Verlust, wenn wir eine Kirche schließen müssen“, sagt er. Der Abriss eines ehemaligen Gotteshauses sei umso schlimmer. Dennoch haben die Katholiken entschieden: Das Bauwerk soll weg. Bei der Messe sitzen weniger Gläubige in den Kirchenbänken als früher, sagt der Bistumssprecher. Wie viele es in St. Maximilian Kolbe zurzeit sind, kann das Pfarrbüro nur schätzen. Gezählt wird immer in der gesamten Gemeinde, die die Hauptkirche St. Bonifatius und die Filialkirche St. Maximilian Kolbe umfasst. Am Wochenende verteilen sich demnach rund 450 bis 550 Menschen auf fünf Gottesdienste: Eine Messe auf Spanisch, eine auf Kroatisch, die Vorabendmesse und die jeweiligen Messen am Sonntag. Von diesen fünf Gottesdiensten am Wochenende wird nur eine – die Sonntagsmesse – in der St. Maximilian-Kolbe-Kirche gefeiert.

Doch nicht nur in den Kirchenbänken wird es lichter, auch die Bausubstanz lässt nach: Die geschwungene Betonfassade, die die Kirche zum Denkmal qualifiziert und im Stadtteil als „Klorolle“ bekannt machte, muss ausgebessert werden. Zudem sei das Dach undicht, sagt Sprecher Manfred Nielen. Rund 400.000 Euro würde die Sanierung seinen Angaben zufolge kosten. Wird das Gebäude abgerissen, kann sich die katholische Gemeinde einen großen Teil des Geldes sparen. Zudem kann sie das Grundstück gut gebrauchen. „Das Alten- und Pflegeheim nebenan braucht eine Erweiterung und eine Modernisierung“, sagt Manfred Nielen. Da die St. Maximilian-Kolbe-Kirche und das gleichnamige Seniorenheim ohnehin baulich miteinander verbunden seien, biete es sich an, das Heim nach Abriss der Kirche auf das Nachbargrundstück auszudehnen. Als Ersatz für das Gotteshaus soll im katholischen Pflegeheim ein Gottesdienst-Raum entstehen. Die übrigen Katholiken müssten dann auf die rund zwei Kilometer entfernte St. Bonifatius-Kirche im Reiherstiegviertel ausweichen.

Auch Denkmäler können zum Abriss freigegeben werden – etwa aus Kostengründen

Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Denn bislang schützt der Denkmalstatus die Kirche vor dem Abriss. Das Gebäude des Architekten Jo Filke gilt als besonderes Beispiel historischer Baukunst. „Mit ihrer ungewöhnlichen, ausdrucksstarken Spiralform und der gezielten Verwendung von Sichtbeton ist sie ein charakteristisches Beispiel für den Kirchenbau der 1970er Jahre“, schreibt das Denkmalschutzamt. „Die freie Gestaltung macht sie zudem zu einem wirkungsvollen städtebaulichen Merkzeichen in dem Gebiet.“ Trotzdem könnte der Abriss genehmigt werden. Die Kulturbehörde lässt mehrere Kriterien gelten, wie ihr Sprecher auf Nachfrage von WilhelmsburgOnline.de mitteilt: Wenn der Erhalt des Gebäudes dem Eigentümer wirtschaftlich nicht zumutbar ist, darf er nach Absprache mit der Behörde die Bagger anrollen lassen. Auch wenn ein Gebäude schon so stark beschädigt ist, dass nach der Sanierung nicht genug historische Bausubstanz übrig bleiben würde, ist der Abriss eines Denkmals laut Kulturbehörde gerechtfertigt. Manchmal gebe es auch öffentliche Interessen, die schwerer wögen als der Denkmalschutz, sagt der Behördensprecher: „Das ist aber nur in Ausnahmefällen so.“

Mit dem Denkmalschutzamt haben die Katholiken bereits Kontakt aufgenommen. „Die Gespräche laufen“, sagt Bistumssprecher Manfred Nielen. Das bestätigt auch die Kulturbehörde. Eine Entscheidung stehe jedoch noch aus. Auch auf Seiten der katholischen Kirche ist noch kein endgültiger Beschluss gefasst: Das letzte Wort hat der Bischof. Seine Berater im Priesterrat des Erzbistums jedoch haben offenbar schon zugestimmt. Auch der Antrag zur sogenannten Profanierung wurde schon abgeschickt. In einem letzten Gottesdienst würde dann die St. Maximilian-Kolbe-Kirche offiziell entweiht. Nach der Profanierung gilt sie nicht mehr als Gotteshaus, sondern als gewöhnliches Gebäude. „Damit wird dann die Kirche aufgegeben“, sagt der Bistumssprecher.

Architekturkritiker Gefroi: Fachleute sind entsetzt

Schon jetzt regt sich Protest. „Unter Architekten ist man wirklich entsetzt über diese Abrisspläne“, sagt der Architekturkritiker Claas Gefroi im Gespräch mit WilhelmsburgOnline.de. Das Denkmal, das viele Wilhelmsburger scherzhaft „die Klorolle“ nennen, ist in seinen Augen eine Perle der Baukunst: St. Maximilian Kolbe sei beispielhaft für die spätmoderne Architektur der 70er Jahre. „Gerade aus dieser Zeit gibt es in Hamburg nicht mehr viele Kirchen. Das allein wäre schon Grund genug, sie zu erhalten“, sagt Claas Gefroi. Um die Sanierung zu bezahlen, könnte die Gemeinde sich auch nach Investoren umhören, meint er. In Eimsbüttel sei auf diese Weise schon eine historisch wertvolle Kirche gerettet worden.

Auch muslimische Gemeinden könnten nach Claas Gefrois Ansicht Partner beim Erhalt des Gebäudes sein. Die Gläubigen der Ditib-Gemeinden in Wilhelmsburg etwa sind derzeit auf der Suche nach einem Standort für eine neue, zentrale Moschee auf der Insel. Dass aus ehemaligen Kirchen lebendige muslimische Glaubenszentren entstehen können, beweist heute schon die Muradiye-Moschee in der Eckermannstraße, wo hunderte Gläubige zum Freitagsgebet zusammenkommen. Das Erzbistum Hamburg sieht darin jedoch keine Option. „Eine Moschee direkt neben einem katholischen Pflegeheim, das eigentlich ausgebaut werden soll – das halten wir für nicht vermittelbar und kein gutes Zeichen“, sagt Bistumssprecher Manfred Nielen.

von Annabel Trautwein

 

Tipp:

Seit Mai 2013 unterscheidet das Denkmalschutzamt nicht mehr zwischen „erkannten Denkmälern“ und solchen, die auf der offiziellen Denkmal-Liste stehen. Für alle gelten dieselben Kriterien. Wer wissen möchte, ob es Denkmäler in der eigenen Nachbarschaft gibt, kann im Internet unter http://www.geoportal-hamburg.de/Geoportal/geo-online/index.html nachschauen. Die Sucheinstellung für Denkmäler steht in der linken Spalte unter dem Ordner „Stadtentwicklung“.

 

 

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2 Kommentare zu St. Maximilian-Kolbe-Kirche soll abgerissen werden

  • Volker Schenk  sagt:

    Auch ich fände es sehr schade, wenn dieses interessante Kirchengebäude aus Kostengründen abgerissen werden sollte.

    Insbesondere wäre zu prüfen, das katholische Erzbisthum Hamburg so arm ist, dass ein Erhalt der Kirche unbillig wäre. Denn im Gegensatz zu den evangelischen Kirchen, in denen die einzelnen Gemeinden eine viel weitergehende Selbständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit haben, ist auch die finanzielle Struktur der Katholischen Kirche viel zentralistischer. Und auch wenn die Bonifazius-Gemeinde mit der Instandsetzung und dem Erhalt des Kirchengebäudes St. Maximilian Kolbe mit Sicherheit überfordert ist, sollte das Erzbistum Wege – wie auch Mittel finden, dieses zu Recht denkmalgeschützte Kirchengebäude zu erhalten.

    Und mir sei die Randbemerkung erlaubt: Wenn sich im Erzbistum Hamburg keine Hilfe, bzw. Geldquelle findet, so liegen wohl in einigen Stiftungen des Bistums Limburg finanzielle Schätze verborgen die es noch zu heben gilt, bevor ein witziger Bishof dem zuvor kommt.

  • Klorolle  sagt:

    […] durch diesen Artikel bin ich auf diese Kirche in Hamburg-Wilhelmsburg aufmerksam geworden. Obwohl sie sie sicher was […]

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