„Jeder betrachtet das irgendwie anders“

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Kunstobjekte des Projekts "Woandershin" waren vom 12. bis zum 14. Juni auf der Schute neben der Honigfabrik in Wilhelmsburg zu sehen. Die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts hatten zu ihrer Abschlussausstellung eingeladen.

Mit dem Projekt "Woandershin" wollte es der Verein Stadt Kunst Gesellschaft Jugendlichen aus Wilhelmsburg mit Migrationshintergrund ermöglichen, sowohl räumlich als auch im Geist ihren Horizont zu erweitern. Mit verschiedenen Künstlern unternahmen sie zwischen September 2014 und Mai 2015 Ausflüge, um sowohl unterschiedliche künstlerische Darstellungsformen als auch andere Stadtteile kennenzulernen.

Zur Ausstellung trafen sich alle Teilnehmer des Projekts noch einmal, um die kreierten Werke einem interessierten Publikum zu präsentieren. Ort der Ausstellung war das Schiff Schute, auf dem die Jugendlichen bereits während des Projekts an ihren Werken gearbeitet hatten. Laut Ute Vorkoeper, die für die Projektleitung verantwortlich war, hat sich die Ausstellung gelohnt: Während des ganzen Wochenendes seien viele interessierte Menschen vorbeigekommen, um sich die Werke der Jugendlichen in einer entspannten und fröhlichen Atmosphäre anzusehen.

Auch das Resümee der Jugendlichen fiel durchweg positiv aus: "Ich fand es gut, dass wir eine neue Perspektive gekriegt haben. Die Bilder zum Beispiel: Die Dinge sieht man ja jeden Tag und denkt, das ist langweilig; aber wenn man ein Foto davon macht, sieht man sie ganz anders", sagte zum Beispiel die 14-jährige Olivia über das Projekt. Gefallen habe ihr an dem Fotoworkshop besonders, dass sie aus mehreren Bildern etwas Eigenes erschaffen konnte.

Aylin, 15 Jahre alt, war mit anderen Jugendlichen und dem Künstler Axel Loytved im Schanzenviertel unterwegs, um alltägliche Gegenstände aus Papier zu sammeln und daraus später neue Objekte zu formen. Sie erinnert sich gut an die Gesichter der Leute, als die Jugendlichen auf die Jagd nach Papier gingen: "Die haben uns komisch angeguckt, weil sie vielleicht dachten, wir wären Bettler." Das sei zwar zunächst etwas unangenehm gewesen – aber da sie in der Gruppe unterwegs waren, hätte es dennoch Spaß gemacht. "Danach sind wir wieder auf das Schiff und haben das Papier zerkleinert – das hat echt lange gedauert." Über ihr eigenes Kunstwerk sagt Aylin: "Ich wollte eine Schildkröte machen; aber jeder betrachtet das irgendwie anders. Einer meinte, es wäre eine kaputte Mauer."

Peggy ist 14 Jahre alt und mochte das Theaterprojekt mit dem Künstler Dan Thy Nguyen am liebsten, bei dem die Jugendlichen an öffentlichen Plätzen Gedichte und Geschichten vorgelesen haben – vor allem, weil sie von der Reaktion der Zuschauer überrascht war. "Ich fand es komisch, dass die Leute stehen geblieben sind und uns zugehört haben." Am Anfang sei Peggy noch nervös gewesen, später dann nicht mehr. Die Erfahrungen nimmt sie mit: "Bei Dan Thy habe ich gelernt, wie man vorliest und dabei das Gleichgewicht hält."

Als Fazit kann festgehalten werden, dass die Ausflüge nach Woandershin sich für alle Teilnehmer gelohnt haben. Damit die Jugendlichen außer den gesammelten Erfahrungen auch etwas Greifbares mitnehmen können, soll es noch eine kleine Publikation geben, in denen Bilder der Ausflüge und der Kunstwerke zu sehen sind. Und auch der Verein Stadt Kunst Gesellschaft e.V. hat damit ein Beispiel zur Hand, wie erfolgreiche außerschulische Bildung im künstlerischen Bereich aussehen kann.

 

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