Türkischer Elternbund eröffnet neuen Treffpunkt

türkischer Elternbund Eröffnung neu

Der Türkische Elternbund Wilhelmsburg hat ein neues Dach über dem Kopf. Am Freitag eröffnete der Verein feierlich seine neuen Räume an der Veringstraße 61 – mit dabei waren die Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) und der Vize-Konsul der Republik Türkei, Nagi Tayru. Beide lobten den Elternbund für sein gesellschaftliches Engagement. Seit 25 Jahren setzt sich das ehrenamtliche Team für bessere Bildungschancen von Kindern und Erwachsenen türkischer Herkunft in Wilhelmsburg ein. Seine vorherige Adresse im Pavillon am Weimarer Platz musste der Türkische Elternbund aufgeben, weil der neue Eigentümer Sprinkenhof AG deutlich höhere Mietpreise verlangt, als im Rahmen der IBA vorgesehen war.

„Endlich haben wir neue Räumlichkeiten!“ Dem Vorsitzenden des Türkischen Elternbundes Wilhelmsburg, Serdar Bozkurt, ist die Erleichterung deutlich anzusehen. Mehr als ein Jahr lang war der Verein ohne Bleibe: Bis Ende 2013 war er im Pavillon am Weimarer Platz ansässig, den die Internationale Bauausstellung (IBA) als Treffpunkt für das „Weltquartier“ errichtet hatte. Hier sollte Platz sein für Hilfsangebote von Nachbarn zu Nachbarn, für Feste und Begegnungen, wie es sich auch die Anwohner gewünscht hatten. Zu Zeiten der IBA musste der Elternbund keine Miete zahlen, für die Zeit nach 2013 war eine symbolische Miete von einem Euro pro Quadratmeter vorgesehen. So hatte es die IBA mit der SAGA GWG vereinbart. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft sollte das 140 Quadratmeter große Gebäude bis zum Jahr 2020 verwalten und für Projekte aus der Nachbarschaft bereit halten.

Sprinkenhof übernimmt – und erhöht den Mietpreis ums Vielfache

Doch es kam anders: Der Pavillon ging an die städtische Sprinkenhof AG, die der Finanzbehörde untersteht. Und die hielt sich offenbar nicht an die Absprache. „Die Sprinkenhof hat eine viel höhere Miete verlangt“, erklärte Serdar Bozkurt am Freitag gegenüber WilhelmsburgOnline.de. Der geforderte Mietpreis liege zwischen 6,50 Euro und 13 Euro. „Das können wir nicht leisten. Migrantenvereine wie wir haben dafür keine Mittel“, sagte der Vorsitzende. Der Türkische Elternbund stand auf der Straße, auch der Verein Der Hafen, der psychosoziale Hilfe leistet, musste raus. Seitdem steht der Pavillon im Weltquartier leer und verfällt – die Schäden eines Lecks am Dach sind bis heute nicht repariert, wie die SPD-Fraktion am Dienstag im Regionalausschuss bemängelte.

Die Senatorin für Stadtentwicklung hielt das am Freitag jedoch nicht davon ab, in einer Ansprache den Erfolg des „Weltquartiers“ zu betonen. Das von der IBA sanierte Viertel sei nicht nur mit dem Hamburg Architektur Preis des Bundes deutscher Architekten geehrt worden. Auch beim Publikumspreis des Hamburger Abendblatts habe das „Weltquartier“ den zweiten Platz belegt. Jutta Blankau lobte neben den Bauprojekten auch die Arbeit des „türkischen Elternvereins“, wie sie ihn nannte. Er habe sich immer für Bildung eingesetzt und spiele auf der Insel eine große Rolle. „Stadtentwicklung heißt auch immer, die Entwicklung hier auf dieser schönen Insel voranzutreiben“, sagte die Senatorin zum Abschluss ihrer Rede. Der türkische Vize-Konsul Nagi Tayru zollte dem Elternbund Respekt für seine Verdienste um eine multikulturelle Stadtgesellschaft. „Wir betonen jederzeit, wie wichtig es ist, dass türkische Kinder und Menschen türkischer Herkunft Deutsch lernen“, sagte er. In gleichem Maße sollten sie die türkische Sprache und Kultur pflegen können. Dafür mache sich der Elternbund in Wilhelmsburg stark.

Serdar Bozkurt blickt nun optimistisch in die Zukunft. Die neue Unterkunft biete dem Verein Raum, um künftig noch mehr für Einwanderer im Stadtteil anbieten zu können. Die Frauengruppe des Elternbundes habe schon zusätzliche Veranstaltungen geplant, erläuterte er im Gespräch mit WilhelmsburgOnline.de. „Wir möchten auch einen Treffpunkt für ältere Männer der ersten Generation organisieren“, sagte Serdar Bozkurt. In erster Linie setzt sich der Verein für die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen aus türkischen Familien ein. Er bietet Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe an und hilft bei der Suche nach Praktika und Angeboten zur Weiterbildung. Dazu arbeitet der Wilhelmsburger Verein mit anderen Einrichtungen zusammen, etwa mit der Handelskammer, der Bücherhalle Wilhelmsburg oder dem Verein Unternehmer ohne Grenzen. Das Team gibt auch Eltern Rat: Er informiert über Kitas und Schulen im Stadtteil und gibt Tipps, wie Eltern die Bildung ihrer Kinder fördern können. All das soll nun in den neuen Räumen an der Veringstraße 61 wieder möglich sein.

Pavillon soll wieder Treffpunkt werden

Und der Pavillon am Weimarer Platz? Auch hier soll sich etwas tun – so hat es der Regionalausschuss am Dienstagabend einstimmig beschlossen. „Dieser Pavillon muss unbedingt seiner ursprünglichen Nutzung zugeführt werden, auch zu den günstigen Konditionen, die vereinbart waren“, sagte die Wilhelmsburger Bezirksabgeordnete Kesbana Klein, die den Antrag ihrer SPD-Fraktion vorstellte. Dafür soll sich nun Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) einsetzen – und er soll sich darum kümmern, dass das einstige IBA-Vorzeigeprojekt nach dem Wasserschaden vor rund einem Jahr endlich saniert wird.

von Annabel Trautwein

 

Hier hilft der Türkische Elternbund:

Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe: montags, dienstags und mittwochs jeweils von 16.30 – 18 Uhr, Veringstraße 61. Anmeldung unter 0152 31 94 30 52.

Information und Beratung für Eltern: Termine nach Vereinbarung, Kontakt unter 040-75 66 26 65 oder 0172 231 90 32.

 

schreibe was dazu

diese HTML Tags und Attribute können verwendet werden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>