Liebesdrama auf der igs: Theaterklasse zeigt einen Wilhelmsburger Sommernachtstraum

Wer mit wem - das ist die Frage im Theaterstück Panik im Park, das von Chaos zwischen Helena, Hermia, Lysander und Demetrius erzählt

„Hermia“, fleht Flavio André alias Demetrius. Dann stockt er und klatscht sich die Hand auf die Stirn. „Helena!“ Er setzt seine Liebesschwüre fort, die Verwechslung war nur ein Texthänger. Demetrius selbst hätte das aber genauso gut passieren können. Er ist mitten in ein Beziehungschaos geraten und hat schon zwei gebrochene Verlobungen hinter sich – da kann ein junger Mann schon mal durcheinander kommen. Er ist nicht der Einzige: In dem Tanz- und Theaterstück „Panik im Park – ein Wilhelmsburger Sommernachtstraum“, den die Klasse 10 d der Stadtteilschule Wilhelmsburg am Dienstag auf der internationalen Gartenschau aufführt, wimmelt es nur so von On/Off-Beziehungen.

Ein Liebesdrama auf der Gartenschau – wie konnte es dazu kommen? Audrey aus der 10 d fasst zusammen, wie das Theaterstück frei nach William Shakespeare seinen Lauf nimmt: „Das Problem fängt bei dem Elfenkönig Oberon und seiner Frau Titania an. Sie hassen sich“, erklärt die Schülerin. „Oberon will sich rächen und gibt seinem treuesten Kobold Puck eine Liebesblume.“ Damit soll Puck (gespielt von Chiara) dafür sorgen, dass sich Titania (Audrey) in die Schildkröte verliebt, die als Maskottchen auf der igs herumtapst und alles andere als einen heißen Fang darstellt. Oberons Plan geht auf – Titania verfällt tatsächlich der Kröte (gespielt von Felix) und der Elfenkönig (alias Liridona) feiert vor Schadenfreude.

Doch Puck glaubt, er sei mit seiner Mission noch nicht fertig: Er wendet die Zauberblume an dem Graffiti-Sprayer Lysander (Amir) an, der sich unsterblich in die junge Helena (Andreia) verliebt. Eine heikle Sache, denn eigentlich ist Lysander mit Hermia (gespielt von Melani) zusammen – und Helena ist Hermias beste Freundin. Hermia dagegen ist nur auf Wunsch ihres Vaters mit dem Eventmanager Demetrius verlobt, der nur zu diesem Zweck Helena abserviert hat. Das Beziehungsdrama ist perfekt. Das bekommt am Ende des Stücks auch der Elfenkönig mit. „Was hast du für ein Chaos angerichtet?“, herrscht Oberon seinen Diener an. Puck verteidigt sich: „Es war ein Versehen! Ich wollte doch nur helfen.“

Shakespeare in Elbinsel-Version

Elfen, Magie und verwunschene Wälder – das alles hatte sich schon Shakespeare für seinen „Sommernachtstraum“ ausgedacht. Der Schauspieler Norbert Eichstädt und die Tanzpädagogin Kristin Strauß, die auch mit der Klasse probten, schrieben das Stück um und ließen den Alltag auf der Insel durchschimmern. Unterstützt wurden sie dabei vom Verein zur Förderung von Kunst und Kultur in den Veringhöfen. Den Auftrag für das Stück erteilte die igs, die im Wilhelmsburger Sommernachtstraum auch selbst zur Geltung kommen will. Ein paar ironische Seitenhiebe verkniffen sich die Autoren trotzdem nicht.

So pendelt das Stück zwischen magischer Märchenwelt und Wilhelmsburger Wirklichkeit. Die Jugendlichen finden darin viel aus dem echten Leben wieder. „Dieser Streit zum Beispiel: Die beste Freundin ist mit dem Ex der Freundin zusammen“, sagt Audrey. Die anderen Mädchen murmeln zustimmend. „Auch der Streit mit den Eltern, wenn die nicht einverstanden sind mit dem Freund, den man hat. Oder diese Zielstrebigkeit, dass man immer an seine Zukunft denkt und das man alles dafür tun will.“ Was Helena, Lysander, Hermia und Demetrius beschäftigt, ist auch ihnen wichtig.

Zusammenhalten gegen das Lampenfieber

Am Dienstag um 18 Uhr will die 10 d ihr Stück auf der Süd-Bühne der internationalen Gartenschau erstmals aufführen. Die meisten blicken der Premiere gelassen entgegen. „Wir sind eine Theaterklasse“, sagt Ebu. Die Schülerinnen und Schüler der Profilklasse „Acting the English Word“ stehen schon seit Jahren gemeinsam auf der Bühne. Dass der Wilhelmsburger Sommernachtstraum auf Deutsch aufgeführt wird, ist eine Ausnahme – spezialisiert ist das Ensemble auf englische Texte. Das englischsprachige Stück „To be or not to be – A love in England“, das die Klasse im vergangenen Jahr gespielt hat, stammt aus eigener Feder, wie ihr Lehrer Frank Dienst betont. Mit ihrem selbstgedrehten Film „The second face“ haben die Jugendlichen beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen sogar schon den zweiten Platz belegt.

Sollte doch noch Lampenfieber aufkommen, wissen die Schülerinnen und Schüler, was zu tun ist. „Was immer geholfen hat gegen Angst oder Aufregung: Die Klasse muss zusammenhalten und sich gegenseitig stärken. Dann klappt das schon“, sagt Urim. Auf den Teamgeist könnten sich alle verlassen, versichert er. „Wir haben den besten Zusammenhalt in der ganzen Schule.“

von Annabel Trautwein

Tipp:

Die Premiere von „Panik im Park – ein Wilhelmsburger Sommernachtstraum“ ist am Dienstag, 27. August, um 18 Uhr auf der Hauptbühne Süd der internationalen Gartenschau. Zutritt zum igs-Gelände gibt es etwa mit der Feierabendkarte oder dem Nachbarschaftsticket.

 

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